Neue Gebührenordnung für Tierärzte

So teuer kann Ihr krankes Haustier künftig werden

Eine Hündin wird von zwei Tierärztinnen untersucht.

Eine Hündin wird von zwei Tierärztinnen untersucht.

Berlin. Trude ist zierlich, hat einen aufmerksamen Blick und Knickohren. Am liebsten ist die Ratonero-Mischlingsdame in Bewegung, rennt lange Strecken neben dem Fahrrad her oder springt wie ein junges Reh durch die Felder. Kein Wunder, dass es da auch mal zu Verletzungen kommt.

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„Am Anfang dachte ich, ach, der Hund ist jung und gesund“, so Besitzerin Claudia Till. Doch im Alter von zwei Jahren bekommt Trude Schwierigkeiten mit der Kniescheibe, eine Behandlung zieht die nächste nach sich. Etwa 500 Euro kostet die Knieoperation. Etwas später bereitet der Hundedame eine eingetretene Glasscherbe Schwierigkeiten. Es folgen Röntgenbilder und verschriebene Schmerzmittel, bis schließlich die Hundesitterin die Scherbe in der Pfote entdeckt. Da steckt das Glasstück schon so tief, dass es unter Narkose herausoperiert werden muss. Kosten: mehrere Hundert Euro.

Die Gebührenordnung ist von 1999

Dass mit der überarbeiteten Gebührenordnung für Tierärzte jetzt die Behandlungskosten in Tierarztpraxen noch steigen, könnte so manchem Tierhalter Sorge bereiten. Tierheime fürchten, dass vermehrt Haustiere abgegeben werden, weil ihre Besitzer die anfallenden Kosten nicht mehr stemmen können.

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Der Berliner Tierarzt Fred Willitzkat beruhigt: „Wir werden unsere Kunden sicherlich nicht mit explodierenden Preisen terrorisieren.“ Dennoch sei die Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte dringend notwendig. „Die Gebührenordnung ist von 1999 und wurde 2017 einmal angepasst. Kein Mensch kann vom einfachen Satz leben. Deswegen mussten wir ohnehin schon immer zwischen dem einfachen und dreifachen Satz navigieren, denn wir wollen natürlich nach unseren Leistungen bezahlt werden und nicht irgendeinen Pauschalpreis aufrufen.“

Wenn das Haustier zu teuer wird: Das Tierarztmobil Hannover

Das Tierarztmobil der Uli-Stein-Stiftung hilft in Hannover den Tieren von bedürftigen Menschen, die das Geld für die Behandlung nicht mehr aufbringen können.

Was Krankenversicherungen fürs Tier bringen

Wer sich vor zu hohen Preisen beim Tierarzt scheut, kann über eine Krankenversicherung fürs Haustier nachdenken. Wie viel die kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je älter und je größer das Tier, desto teurer der Tarif. Rassen mit einem höheren Gesundheitsrisiko kosten mehr als andere, auch der gewünschte Schutz ist entscheidend: Eine OP-Versicherung übernimmt ausschließlich Operationskosten, die Vollversicherung auch andere Behandlungen – allerdings häufig mit Selbstbeteiligung.

Laut einem Versicherungsvergleich von Finanztest gibt es für einen sechs Monate alten Jack Russel Terrier OP-Versicherungen mit sehr gutem Leistungsniveau ab 200 Euro im Jahr, eine Vollversicherung kostet rund 600 Euro.

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Für eine sechs Monate alte Mischlings- oder Rassekatze kosten OP-Versicherungen ohne Selbstbeteiligung laut Finanztest mindestens 119 Euro jährlich, Vollversicherungen mit maximaler Leistung gibt es demnach für mindestens 295 Euro pro Jahr.

Ein Zeitalter ohne Antibiotika droht – können wir uns noch retten?

Ärztinnen und Ärzte warnen vor einem „postantibiotischen Zeitalter“: Bakterien werden resistenter, Antibiotika damit allmählich unwirksam. Es braucht neue Waffen gegen die Erreger. Forschende weltweit suchen nach Lösungen im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen – doch sie stoßen dabei schnell an ihre Grenzen.

„Finanztip“: persönliche Vorsorge sinnvoller

Wichtig zu wissen bei allen Tierkrankenversicherungen: Mit dem Alter des Haustiers steigen häufig auch die Beiträge, die Versicherung wird also mit der Zeit teurer. Und selbst bei einem sehr hohen Leistungsniveau werden nicht alle Behandlungskosten übernommen. Sicher geht daher, wer sich auch zusätzlich zu einer Versicherung einen finanziellen Puffer schafft und regelmäßig Geld fürs Tier zurücklegt. Laut den Experten von „Finanztip“ ist die persönliche Vorsorge für den Krankheitsfall des Vierbeiners im Zweifel sinnvoller als eine Versicherung – man muss das Geld dann aber jeden Monat zurücklegen.

„Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich Trude wahrscheinlich ganz am Anfang versichern lassen“, sagt Claudia Till im Rückblick. So übernimmt die Hundebesitzerin aus Berlin alle Behandlungskosten für ihren Schützling selbst. Nach der Sache mit der Glasscherbe hat sie die Tierarztpraxis gewechselt. Zum neuen Tierarzt hat sie mehr Vertrauen. Und wenn sie sich wegen einer Behandlung unsicher ist, holt sie sich eine Zweitmeinung ein.

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Haustierhalter sollten alles verstehen, was der Tierarzt macht

„Wir halten unsere Patientenbesitzer immer dazu an, alles abzufragen, was ihnen wichtig ist, und das auch zu verstehen“, sagt der Berliner Veterinär Willitzkat. „Lieber erkläre ich etwas eine halbe Stunde länger und die Leute haben es dann verstanden und wissen, warum mir etwas wichtig ist, als dass sie Entscheidungen mittragen müssen, die sie nicht verstehen.“

Auch Behandlungen zu hinterfragen oder kostengünstigere Möglichkeiten abzufragen, findet er nicht verwerflich. „Manchmal ist es sogar förderlich, wenn man in die Kommunikation tritt und sagt, das würde ich vorschlagen, das und das ist aber nicht unbedingt notwendig für den ersten Schritt.“

Vorbeugend empfiehlt der Tierarzt viel Bewegung und gesundes, zuckerfreies Futter. „Je natürlicher die Inhaltsstoffe, desto besser.“ Spielzeug sollte so stabil sein, damit es das Tier nicht aus Versehen zerbeißen und sich daran verletzen kann. Auf diese Weise lassen sich schon unnötige Kosten beim Tierarzt einsparen.

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