Währung auf dem Tiefstand

Pfund-Kursabsturz macht Briten Angst

Die Währung ist auf Tiefstand und lässt Importpreise in die Höhe schnellen. Bei ohnehin schon enorm steigenden Lebenshaltungskosten macht das den Briten umso mehr zu schaffen (Symbolbild).

Die Währung ist auf Tiefstand und lässt Importpreise in die Höhe schnellen. Bei ohnehin schon enorm steigenden Lebenshaltungskosten macht das den Briten umso mehr zu schaffen (Symbolbild).

London. Die steigenden Strom- und Gasrechnungen und die Inflation haben Harry Niazi und seinem Fish & Chips-Laden zugesetzt. Der Kleinunternehmer aus dem Süden Londons hoffte auf die Hilfe der Regierung, um den Imbiss am Laufen halten zu können. Doch der Plan zur Stützung der Wirtschaft, den Premierministerin Liz Truss nun vorgelegt hat, verheißt Niazi keinen Lichtblick.

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Vielmehr hat das Versprechen von Steuererleichterungen – bei unklarer Gegenfinanzierung - die Finanzmärkte ins Schleudern gebracht. Das britische Pfund sackte in dieser Woche auf ein Rekordtief gegenüber dem Dollar ab. Für Niazi und sein „Olley’s Fish Experience“ ist das ein weiterer herber Schlag. „Alles stützt sich auf den Dollar“, erklärt er. „Der Diesel für die Boote zum Fischfang, für die Lastwagen, die unsere Produkte ausliefern. Das macht sich stark bemerkbar.“

„Ich habe Angst davor, meine Preise zu erhöhen“

Der Kursabsturz des Pfunds trifft Millionen Unternehmerinnen und Unternehmer im Vereinigten Königreich hart, weil damit Importware und in Dollar gehandelte Energie- und Versorgungsgüter teurer werden. Wo möglich, werden die steigenden Kosten wohl an die Verbraucher weitergegeben. Doch schon jetzt hat die Inflation mit 9,9 Prozent nahezu den höchsten Stand seit 40 Jahren erreicht.

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„Ich habe Angst davor, meine Preise zu erhöhen“, sagt Harry Niazi. „Wir haben einen guten Kundenstamm, den wir nicht verlieren wollen, aber jeden Tag wird irgendetwas teurer. Ich weiß nicht, wie wir das schaffen sollen.“

Großbritannien schnürt Paket gegen hohe Energiepreise

Großbritanniens Finanzminister Kwasi Kwarteng hat ein umfangreiches Paket mit Hilfen zur Abfederung der hohen Energiepreise sowie Steuersenkungen angekündigt.

Den Schellfisch oder Kabeljau, den Niazi importiert, muss er in Dollar zahlen. Und die Preise dafür sind ohnehin schon in die Höhe geschossen, seit die britische Regierung im Juli als Sanktion wegen des Ukraine-Kriegs die Einfuhr russischer Meeresfrüchte mit einem 35-prozentigen Strafzoll belegte.

So wie Niazi geht es vielen. Auch Sanjay Aggarwal in Liverpool kämpft ums Überleben seiner „Spice Kitchen“. Das Unternehmen, von Aggarwal mitgegründet, verkauft indische Gewürzmischungen als Geschenksets in Dosen aus indischer Produktion. Sowohl Dosen als auch Lieferkosten, die größten Ausgabeposten von „Spice Kitchen“, werden in Dollar in Rechnung gestellt.Beides hat sich in diesem Jahr schon so stark erhöht, dass Aggarwal bereits gezwungen war, seinerseits mehr von der Kundschaft zu verlangen.

Allein die Kosten für die Verschiffung eines Containers von Indien nach Großbritannien hätten sich seit 2020 auf 8000 bis 9000 Dollar vervierfacht, sagt Aggarwal. Für seine nächste Bestellung stellt der Gewürzhändler sich bereits auf einen neuen Preisschock ein. „Es trifft uns, weil wir auf globaler Ebene spielen“, erklärt Aggarwal. „Jede weitere Bestellung, die wir jetzt aufgeben, wird uns 20 Prozent mehr kosten.“

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Nicht nur das Pfund, auch andere Weltwährungen hat der starke Dollar unter Druck gesetzt: Der US Dollar Index, der den Dollar im Vergleich zu sechs anderen Währungen misst, ist in diesem Jahr um 18 Prozent nach oben gegangen. Gestützt wird die US-Währung von einer im Vergleich höheren Wirtschaftsleistung und einer Notenbankpolitik, die mit Zinsanhebungen Anleger lockt.

Steuersenkungsplan kündigte Entlastungen in Höhe von 45 Milliarden Pfund an

Die Unsicherheit im Vereinigten Königreich hat sich noch einmal verschärft, seit die Regierung ihren Steuersenkungsplan präsentiert hat. Angekündigt wurden Entlastungen in Höhe von 45 Milliarden Pfund (rund 50 Milliarden Euro), aber keine Einzelheiten zu Einsparungen bei den Ausgaben. Befürchtungen, dass damit die Staatsverschuldung ausufern könnte, wurden umgehend laut. Der Internationale Währungsfonds warnte in deutlichen Worten vor einem Antreiben der Inflation und dem Druck steigender Lebenshaltungskosten auf die Bevölkerung.

Dass sich die Menschen große Sorgen machen, sieht auch Dee Corsi von der New West End Company, einem Verband, der Hunderte Geschäfte, Hotels und Restaurants rund um Londons berühmte Oxford Street vertritt. „Kurzfristig könnten wir von einem Anstieg der Touristenzahlen profitieren, vor allem aus den USA“, sagt sie. „Langfristig aber wird das schwächere Pfund die Kosten aller Importe in die Höhe treiben.“ Und bei steigenden Lebenshaltungskosten würden die Menschen sich genau überlegen, wofür sie noch Geld ausgeben.

„Es funktioniert nicht, da läuft etwas falsch“, fasst Imbissinhaber Niazi die Stimmung zusammen. „Das müssen sie ändern“, sagt er mit Blick auf die Regierung. Er jedenfalls ist sich ziemlich sicher, dass er bei der nächsten Wahl seine Stimme nicht mehr der Konservativen Partei von Premierministerin Truss geben wird.

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RND/AP

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