Studie zu Produktfälschungen

Käufe gefälschter Ware im Internet mehr als verdoppelt – mit diesen sechs Tipps erkennen Sie Fakes

In einer Lagerhalle des Zolls liegen gefälschte Parfums, deren Namen an berühmte Marken angelehnt sind.

In einer Lagerhalle des Zolls liegen gefälschte Parfums, deren Namen an berühmte Marken angelehnt sind. Der Kauf von Fake-Ware aus dem Internet hat sich verdoppelt.

Immer mehr Menschen kaufen gefälschte Markenware aus dem Internet. Das geht aus einer Erhebung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor. Demnach habe sich der Kauf gefälschter Produkte seit 2015 mehr als verdoppelt. Gerade zur Ferienzeit hätten gefälschte Waren Hochsaison, so die Studienmacher.

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Eine gefälschte Uhr, ein Fake-Trikot oder ein Technikplagiat: Mehr als jeder dritte Befragte, so die EY-Studie, habe schon einmal eine Fälschung erworben. Interessant dabei: Fast die Hälfte war sich darüber bewusst oder hatte zumindest den Verdacht, dass es sich um eine Fälschung handelt. Für die repräsentative Umfrage hat das Unternehmen, das in Deutschland seinen Hauptsitz in Stuttgart hat, rund 1000 Menschen befragt. Hauptmotiv für den Kauf gefälschter Ware ist demnach der Preis: 72 Prozent der Befragten gaben das als Grund an.

Männer kaufen eher gefälschte Ware

Wer sich gefälschte Produkte zugelegt hat, tat das zumeist direkt im Ausland: auf einem Markt etwa oder bei „fliegenden Händlern“. Das gaben 68 Prozent derer an, die schon einmal eine Fälschung kauften. Der Onlinehandel gewinnt allerdings zunehmend an Bedeutung: Mittlerweile werden dort 28 Prozent der Fake-Einkäufe getätigt, 2015 waren es noch 12 Prozent.

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Laut der Studie sind es Männer, die öfter gefälschte Produkte kaufen. 44 Prozent der befragten Männer gaben an, schon einmal ein Produktplagiat erstanden zu haben, bei den Frauen waren es 32 Prozent. Der Kauf von Plagiaten ist am weitesten unter 26-Jährigen bis 35-Jährigen verbreitet.

Unternehmen entgehen Einnahmen

Brennende Akkus oder aggressive Chemikalien: Gefälschte Produkte können nicht nur wegen ihrer Gesundheitsgefahren oder des Sicherheitsrisikos zum Problem werden. „Es sind Milliarden, die die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden jedes Jahr durch Produktfälschungen verlieren“, sagt Michael Renz, Leiter des Bereichs Konsumgüter und Handel bei EY Deutschland und Autor der Studie. Der vermeintlich niedrigere Preis komme andere teuer zu stehen.

Renz verweist auch darauf, dass der Kauf gefälschter Ware kein Kavaliersdelikt sei. „Wer erwischt wird, dem drohen ernste Konsequenzen. Nicht nur durch den Zoll“, sagt er. Die Nachfrage nach gefälschten Produkten habe natürlich auch damit zu tun, dass viele Menschen aktuell weniger Geld im Portemonnaie hätten. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich also überlegen, welche Produkte sie sich wirklich leisten können. „Dabei darf der Blick aber nicht zu illegalen Alternativen wandern, die wirtschaftlichen Schaden anrichten und zudem noch eine Gefahr für die eigene Gesundheit sind.“

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Tipps, um Fälschungen zu erkennen

Beim Kauf im Internet ist es allerdings schwierig, ein Fake-Produkt zu erkennen. „Fast unmöglich“, sagt Julia Zeller, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Schließlich sei man beim Onlinehandel auf die Beschreibung und die Fotos des Anbieters angewiesen. Dennoch gibt es ein paar Kniffe, auf die man achten kann, um keiner Fälschung aufzusitzen.

Bewertungen lesen

„Bewertungen lesen“, rät Julia Zeller. So könne man sehen, ob Produkte oder Anbieter schon einmal auffällig wurden. Allerdings ist Vorsicht geboten: „Auch Bewertungen können gefälscht sein“, warnt die Verbraucherschützerin. Dennoch können sie ein Indikator sein

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Auf Impressum des Onlineshops achten

Auch ein Blick ins Impressum der Internetseite kann helfen. „Manchmal fehlt es ganz oder ist unvollständig“, sagt Zeller. Außerdem kann verglichen werden, ob die Adressen voneinander abweichen. Ist sie beispielsweise in Deutschland, aber für eine Retoure müsste das Produkt nach China gehen, sollte man stutzig werden. „Es sind oft die kleinen Unstimmigkeiten“, so die Verbraucherschützerin. Aber auch hier können Profis am Werk sein: Teilweise sei das Impressum derart gefälscht, dass potenzielle Kundinnen und Kunden „chancenlos“ seien.

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URL-Adresse kann Hinweise geben

Weniger bekannt dürfte sein, dass sich auch anhand der URL-Adresse ein Fake-Shop erkennen lassen kann. Hier kommt es nämlich auf das kleine „s“ an, wie Zeller ausführt. Beginnt eine URL-Adresse mit „https“ statt nur mit „http“, ist die Website sicherer. Bei der URL sollte man auch auf Tippfehler achten: Manche Betrüger agieren so geschickt, dass sie bekannte Onlineshops nehmen, in der URL-Zeile aber nur zwei Buchstaben ändern. Fiktives Beispiel: Statt „hugendubel“ stünde dann „hugenbudel“ oder ähnliches.

Onlinehandel: Beim Kauf von Produkten aus dem Internet sollte man bei unbekannten Händlern vorsichtig sein (Symbolbild).

Onlinehandel: Beim Kauf von Produkten aus dem Internet sollte man bei unbekannten Händlern vorsichtig sein (Symbolbild).

Zu schön, um wahr zu sein: niedriger Preis

So verführerisch ein niedriger Preis sein mag: „Es gibt nicht das Schnäppchen schlechthin“, sagt Zeller. Kein Unternehmen habe Interesse daran, etwas zu verschenken. „Der Preis muss realistisch sein“, sagt sie. Wer ein Handy, das eigentlich 900 Euro kostet, für 500 Euro erwerben kann, sollte stutzig werden.

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Keine Vorkasse wählen

Wer am Ende nicht mit leeren Händen dastehen möchte, sollte auf keinen Fall per Vorkasse zahlen. Zeller räumt ein, dass manche Onlineshops es einem dabei denkbar schwer machen. Etwa, indem zuerst alle Optionen – über Kreditkarte bis Rechnung – angezeigt werden, dann am Ende aber nur Vorkasse möglich ist. Bei unbekannten Händlern sollte man die Finger davon lassen, rät sie.

Wenn es passiert ist: Onlinebetrug melden

Und was, wenn man einem Fake aufgesessen ist? „Auf alle Fälle das Unternehmen kontaktieren“, sagt die Verbraucherschützerin. Das sei zwar selten von Erfolg gekrönt, dennoch der erste Schritt. Außerdem solle der Betrug gemeldet werden – sowohl an die Verbraucherzentrale als auch an die Polizei. Selbst wenn die Betrüger nicht gefasst werden, könnten andere vielleicht gewarnt werden.

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