Energiekrise

Zu hohe Gaspreise: Leipziger Importeur VNG beantragt Staatshilfen

David Scheller, Standortmeister, steht am Verdichter des VNG-Untergrund-Gasspeicher in Bad Lauschstädt. Die Leipziger betreiben Kavernen- und Porenspeicher am Standort.

David Scheller, Standortmeister, steht am Verdichter des VNG-Untergrund-Gasspeicher in Bad Lauschstädt. Die Leipziger betreiben Kavernen- und Porenspeicher am Standort.

Leipzig. Die Einkaufspreise für Erdgas seien nahezu explodiert. Aus dem Grund benötigt der Leipziger Gasimporteur Verbundnetzgas (VNG) Staatshilfe. Ein entsprechender Antrag sei am Freitag beim Bundeswirtschaftsministerium eingegangen und werde nun umfassend geprüft, so das Ministerium.

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Viele Fragen sind noch offen, darunter, um welche Summen es geht und ob der Bund möglicherweise eine Beteiligung erwägt. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, sagte ein Ministeriumssprecher. Welches Instrument gewählt werde, sei offen.

VNG begründet den Schritt mit „erheblichen Verluste aus der Ersatzbeschaffung von Erdgas“. „Von russischen Lieferausfällen betroffene Gasmengen mit teilweise fest vereinbarten Preisen müssen nun zu kriegsbedingt massiv höheren Preisen beschafft werden.“ Die Leipziger benötigten diese Ersatzmengen, um ihre Kunden weiter verlässlich und zu den ursprünglich vertraglich vereinbarten Konditionen zu beliefern und so diesen Kriegsschaden von den Kunden fernzuhalten.

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Parallel würden die laufenden Gespräche der VNG AG und ihrer Aktionäre mit der Bundesregierung über Möglichkeiten für eine Stabilisierung des Unternehmens fortgesetzt, so das Unternehmen.

„Um weiteren Schaden von VNG abzuwenden und die Handlungsfähigkeit des VNG-Konzerns insgesamt zu sichern“, sehe sich das Unternehmen veranlasst, neben dem bereits gestellten Antrag zur Gasumlage weitere Hilfen zu beantragen, heißt es weiter.

VNG – drittgrößter Gasversorger in Deutschland

VNG mit Sitz in Leipzig versorgt rund 400 Stadtwerke und Industriebetriebe mit Gas. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen 2021 einen abgerechneten Umsatz von 18,5 Milliarden Euro und beschäftigt rund 1500 Menschen.

Das Unternehmen deckte 2021 rund ein Fünftel des Gasbedarfs in Deutschland und gilt als „systemrelevant“: drittgrößter Gasversorger, zweitgrößter Fernnetzbetreiber, zweitgrößter Betreiber von Biogasanlagen.

Etwa eine Milliarde Euro Verlust in 2022

VNG gibt ferner an, zwei Verträge zu haben, die von russischen Gas-Lieferausfällen betroffen seien. Einer ist ein Direktvertrag über etwa 35 Terawattstunden - das sind 35 Milliarden Kilowattstunden - pro Jahr von Gazprom Export. Dieser werde aktuell und absehbar nicht mehr bedient. Allein daraus entstehe trotz Gasumlage etwa eine Milliarde Euro Verlust 2022. Dies „würde VNG als direkter Importeur aus eigener Kraft und gemeinsam mit weiteren Stabilisierungsmaßnahmen ihrer Anteilseigner tragen können“.

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Knackpunkt ist nach Darstellung des Unternehmens ein weiterer Vertrag über 65 Terawattstunden im Jahr mit einem inländischen Vorlieferanten, der diese Gasmengen importieren wollte. Dieser Vertrag werde seit Mitte Mai nicht mehr durchgängig bedient. „Die Kosten der Ersatzbeschaffung hat VNG im August bei historisch hohen Gaspreisen anders als zuvor erwartet zu erheblichen Teilen tragen müssen“, erklärte das Unternehmen. „Die daraus absehbare finanzielle Belastung wäre für VNG nicht tragbar.“

Seit August habe sich die Lage deutlich verschärft. Den Verlust in diesem Jahr bezifferte das Unternehmen auf circa eine Milliarde Euro. Dieser würde auch nicht durch die ab Oktober greifende Gasumlage aufgefangen.

Hilfen aus der Gasumlage

Russland hat die Gaslieferungen nach Deutschland in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgefahren. Über die große Versorgungsleitung Nord Stream 1 kommt nach angeblichen Wartungsarbeiten seit vergangener Woche gar nichts mehr. Ersatz wird nun aus anderen Quellen beschafft, um die Gasspeicher für den Winter zu füllen und Industriebetriebe, Kraftwerke und Haushalte mit dem Brennstoff zu versorgen. Die Gaspreise sind wegen des knappen Angebots und der hohen Nachfrage drastisch gestiegen.

Dies war ein Grund für die von Wirtschaftsminister Robert Habeck geplante Gasumlage, die ab Oktober gelten und dann mit 2,4 Cent je Kilowattstunde allen Gasverbrauchern in Rechnung gestellt werden soll. Als VNG Hilfen aus der Umlage beantragte, wurde kritisiert, dass der Mehrheitseigner EnBW gleichzeitig hohe Gewinne einstreiche und dem Tochterunternehmen helfen solle.

VNG hielt Anfang September dagegen, EnBW sei zwar Mehrheitsaktionär, aber knapp 26 Prozent der VNG-Anteile seien im kommunalen Besitz. Im Falle von Hilfen der Konzernmutter müssten auch die beteiligten Kommunen - die meisten davon in Ostdeutschland - mitziehen und „eine Menge Geld in die Hand nehmen“, hieß es damals. Anderenfalls würde die ostdeutsche Unternehmensanteile schwinden.

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Von Andreas Dunte/ dpa

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