Verkauf statt Schließung

Investor will Arvato-Callcenter in Halle, Magdeburg und Cottbus retten

700 Callcenter-Mitarbeiter von Aravato werden wohl doch nicht entlassen, sondern wechseln  zu Captia.

700 Callcenter-Mitarbeiter von Aravato werden wohl doch nicht entlassen, sondern wechseln zu Captia.

Halle/Leipzig. Überraschende Wende beim Callcenter-Betreiber Arvato Services: Erst im Mai hatte die Bertelsmann-Tochter angekündigt, sieben Standorte in Ostdeutschland dicht zu machen und fast 1000 Stellen zu streichen. Jetzt gibt es plötzlich doch wieder Hoffnung, zumindest für die drei größten Standorte Halle, Magdeburg und Cottbus: Konkurrent Capita will sie übernehmen, erfuhrt die LVZ aus Branchenkreisen. Die Schließung wäre dann vom Tisch.

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Beide Unternehmen halten sich bisher noch bedeckt. Auf Anfrage kam am Freitag aber eine knappe Mitteilung: „Wir können bestätigen, dass Arvato CRM Solutions und Capita Europe Gespräche über einen möglichen Verkauf von drei Arvato Customer Management Centern in Deutschland führen“, hieß es in dem gemeinsamen Statement. „Diese Transaktion würde, sollte sie zustande kommen, unter einem Vorbehalt der Genehmigung durch die deutsche Wettbewerbsbehörde stehen.“ Details wollten sie nicht nennen.

Kein Interesse an Leipzig und Dresden

Konkret handelt sich nach LVZ-Informationen um die Callcenter in Halle, Magdeburg und Cottbus mit zusammen 705 Mitarbeitern. Damit hat sich Capita gezielt die drei größten der sieben vor dem Aus stehenden Standorte herausgesucht. Sie gelten als deutlich attraktiver als die kleineren Callcenter in Leipzig, Dresden, Gera und Suhl, an denen Captia offenbar kein Interesse hatte.

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Hier ändert sich daher nichts: Für die vier Standorte ist wie angekündigt 2019 Schluss. In Leipzig und Dresden fallen jeweils rund 100 Jobs weg, in Gera und Suhl zusammen etwa 90. Insgesamt gehen damit statt der ursprünglich angekündigten 989 Stellen noch 284 verloren.

Verhandlungen über Verkauf laufen noch

Endgültig besiegelt ist der Teil-Verkauf an Capita aber noch nicht. Dem Vernehmen nach laufen die Verhandlungen noch. Die Mitarbeiter an den betroffenen Standorten wurden am Freitag aber schon einmal vorab über die veränderten Aussichten informiert. Der mögliche Käufer Capita ist für die meisten kein Unbekannter: Die 2011 in London gegründete Firma ist bereits einer der größten Callcenter-Betreiber Europas und hat auch drei Standorte in Mitteldeutschland, darunter einen großen in Leipzig.

Die Briten hatten 2015 den damaligen deutschen Marktführer Avocis übernommen – inklusive des 2006 eröffneten Leipziger Standorts mit damals 400 Mitarbeitern. Aktuelle Zahlen wollte das Unternehmen am Freitag auf Nachfrage nicht nennen. 2016 folgte die Übernahme von 3C Dialog im thüringischen Saalfeld. 2017 wurden dann in Erfurt ein weiterer Standort neu eröffnet. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg, wo jetzt die Arvato-Standorte hinzukommen sollen, war Capita dagegen bisher nicht vertreten.

Übrigen Standorte gehen in Gemeinschaftsunternehmen

Geschlossen wird in Leipzig aber nur eines von bisher drei Callcentern. Die anderen beiden bleiben erhalten. Sie sind aber noch kleiner, kommen zusammen nur auf 100 Mitarbeiter. Ebenfalls erhalten bleibt der größte mitteldeutsche Standort in Chemnitz, wo sogar 500 Mitarbeiter an den Telefonen sitzen.

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Arvato will sie dann zusammen mit der gesamten Callcenter-Sparte in sein neues Gemeinschaftsunternehmen mit dem marokkanischen Anbieter Saham einbringen, das im Januar 2019 starten soll. Das hatten beide Partner vor drei Wochen angekündigt.

Auf die deutlich größere Leipziger Tochter Arvato Systems Perdata (250 Mitarbeiter) hat der Umbau der Callcenter-Sparte keine Auswirkungen. Hier ändere sich nichts, hieß es. Arvato hatte den bis dahin kommunalen IT-Dienstleister 2012 von der Stadt Leipzig übernommen.

Von Frank Johannsen

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