Nach Protesten

Siemens rückt von Schließplänen in Sachsen ab

Das Siemens-Werk in Leipzig-Plagwitz.

Das Siemens-Werk in Leipzig-Plagwitz.

Leipzig. Aufatmen bei den Siemens-Mitarbeitern in Leipzig, Görlitz und Erfurt: Die geplante Schließung der Werke in Sachsen ist vorerst vom Tisch; der Verkauf des Standorts Erfurt wird abgeblasen. Das kündigte Personalvorstand Janina Kugel am Dienstag früh in einer Telefonkonferenz an. Stattdessen wird ein Käufer für das Werk im Leipziger Stadtteil Plagwitz gesucht, der den Standort fortführt – mit möglichst vielen der 270 Mitarbeiter.

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Die Pläne sind Teil eines Eckpunktepapiers, auf das sich Siemens mit Betriebsräten und der Gewerkschaft IG Metall geeinigt hat. In der Nacht zum Dienstag segnete der Aufsichtsrat das Papier ab. Damit rückt Siemens von seinen im Herbst 2017 verkündeten Plänen ab. Eigentlich sollten die Werke in Leipzig-Plagwitz und Görlitz schließen, Erfurt verkauft werden. In Görlitz und Erfurt hätte das jeweils rund 700 Mitarbeiter getroffen.

Siemens-Werk in Leipzig-Plagwitz bleibt geöffnet

Leipzig, 08.05.2018: Die Schließung des Siemens-Werk in Leipzig-Plagwitz ist vom Tisch. Demzufolge behalten 270 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

„Das sind endlich positive Nachrichten von Siemens“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einer „sehr guten Nachricht für die Siemensianer in Sachsen, für ihre Familien und für die gesamte Region“. Beide zeigten sich zuversichtlich, dass nun auch in Leipzig viele Jobs erhalten bleiben. Der geplante Verkauf des Verdichterwerks werde „sich positiv auf den Erhalt der Arbeitsplätze und die Stärkung des gesamten Standortes auswirken“, sagte Dulig.

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Personalchefin Kugel zeigte sich zuversichtlich, einen Käufer für das Plagwitzer Verdichterwerk zu finden. „Der Prozess läuft gut an. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Verkaufen werde Siemens die Fabrik aber nur, wenn der Standort dadurch erhalten bleibe, versprach Janina Kugel. „Es ist für uns nur dann ein gangbares Szenario, wenn wir tatsächlich einen nachhaltigen Käufer finden, der die Arbeitsplätze und die Beschäftigung absichert.“ Dem Vernehmen nach gibt es auch schon einen ersten Interessenten. Äußern wollte sich Kugel dazu aber nicht.

Das Werk in Görlitz will Siemens nun sogar zur Zentrale des weltweiten Industriedampfturbinengeschäfts ausbauen. „Der Werk erhält hier die Leitwerkfunktion“, kündigte Kugel an. So könnte die bisher auf mehrere Standorte verteilte Weiterentwicklung von Dampfturbinen in Ostsachsen gebündelt werden. Das werde in der Neißestadt sowohl in der Entwicklung als auch in der Fertigung Jobs erhalten. Einen Stellenabbau soll es trotzdem geben. „Die Restrukturierung wird dort noch einmal einen Teil der Mitarbeiter betreffen“, sagte Kugel. Wie viele Stellen wegfallen, werde mit dem Betriebsrat ausgehandelt.

Das gleich gilt auch für Erfurt. Dort war der geplante Verkauf an den britischen Investor Brush im Januar geplatzt. Jetzt soll das Generatorenwerk im Konzern bleiben, aber ebenfalls restrukturiert werden. „Da wird es auch zu Kapazitätsanpassungen kommen.“ Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigte sich trotzdem zufrieden: „Nun gilt es darum zu kämpfen, die volle Auslastung des Werkes und damit seinen dauerhaften Erhalt sicherzustellen.“

Siemens hatte im November 2017 angekündigt, wegen des anhaltend schwachen Kraftwerksgeschäfts weltweit fast 7000 Stellen zu streichen und mehrere Werke zu schließen. Mitarbeiter, Gewerkschaft und Politik waren seither dagegen Sturm gelaufen. Entsprechend erleichtert zeigte sich Kugel nun über die Einigung. Damit sei die „Konfliktphase“ beendet. „Ich freue mich über diesen wichtigen Meilenstein. Viel Arbeit haben wir aber noch vor uns.“ Denn das Eckpunktepapier steckt nur den Rahmen ab, auf dessen Grundlage nun mit den Betriebsräten die konkreten Einschnitte verhandelt werden sollen. Bis Ende September will Kugel die Gespräche abschließen.

Keine Abstriche will Siemens beim angepeilten Einsparvolumen machen: Es bleibe beim Ziel, in der Kraftwerkssparte einen dreistelligen Millionenbetrag einzusparen. „Das bleibt unverändert“, so Kugel. Siemens wolle aber mit den Betriebsräten ausloten, wie das Ziel mit weniger Stellenabbau und ohne Werksschließungen erreicht werden kann.

Von Frank Johannsen

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