Siemens verhandelt nun doch über Stellenabbau

Siemens Mitarbeiter protestieren in Görlitz gegen die Schließung des Siemens-Werkes und den Stellenabbau beim Schienenfahrzeughersteller Bombardier.

Siemens Mitarbeiter protestieren in Görlitz gegen die Schließung des Siemens-Werkes und den Stellenabbau beim Schienenfahrzeughersteller Bombardier.

München. Nach einer Welle der Empörung über den geplanten Stellenabbau bei Siemens lenkt die Arbeitnehmerseite jetzt ein. Betriebsrat und IG Metall erklärten sich am Donnerstag zu ergebnisoffenen Gesprächen mit dem Management bereit. Diese könnten schon nächste Woche beginnen, hieß es aus Unternehmenskreisen.

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Siemens hatte vor zwei Wochen angekündigt, in den Kraftwerks- und Antriebssparten 6900 Arbeitsplätze zu streichen, die Hälfte davon in Deutschland. Die Standorte Leipzig und Görlitz sollen geschlossen werden, Offenbach steht auf der Kippe. Betriebsrat und IG Metall hatten Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen sofort für tabu erklärt, jedes weitere Gespräch als sinnlos erachtet und mit Streiks gedroht. An vielen Standorten gab es Proteste, erst am Mittwoch waren in Görlitz etwa 2500 Menschen auf die Straße gegangen.

Siemens will auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichten

Nach einer Aufsichtsratssitzung in München teilten die Arbeitnehmervertreter und das Management am Donnerstag gemeinsam mit, sie hätten vereinbart, „unverzüglich die Gespräche“ über die Pläne aufzunehmen und „in einem offenen Dialog nach gemeinsamen Lösungen zu suchen“. Die Gespräche sollen sowohl auf der Ebene von Vorstand und Gesamtbetriebsrat als auch an den Strandorten geführt werden, hieß es aus Konzernkreisen.

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Der Chef des Kontrollgremiums, Gerhard Cromme, verteidigte die Kürzungspläne. Der Markt in der fossilen Energieerzeugung werde sich nicht wieder erholen, sagte er dem „Handelsblatt“ mit Blick auf die Folgen der Energiewende mit immer mehr Nachfrage nach Öko-, Solar- oder Biostrom auf Kosten der konventionellen Produktion. „Wir können keine Turbinen bauen, die wir dann auf dem Werksgelände vergraben müssen, weil sie niemand haben will.“

Siemens will auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichten, schließt sie aber auch nicht aus. Der Stellenabbau in Deutschland soll bis 2023 abgeschlossen werden. Der Großteil – 6100 Stellen – soll in der Kraftwerkssparte gestrichen werden. Sie gehört zwar noch zu den umsatzträchtigsten Geschäftsfeldern, aber der Markt für große Gasturbinen ist um 40 Prozent, für Dampfturbinen sogar um 70 Prozent geschrumpft.

Rund 800 Stellen sollen in der Antriebssparte wegfallen, die Elektromotoren für den Bergbau sowie die Öl- und Gasindustrie herstellt. Wegen des niedrigen Ölpreises wird dort seit längerem wenig investiert. Allerdings hatte Siemens-Chef Joe Kaeser etwa den US-Kompressoren-Hersteller Dresser-Rand für 7,8 Milliarden Dollar gekauft. Auch dieser hatte mit der Ölpreisflaute und der Investitionsschwäche der Kunden gekämpft.

Von dpa/RND

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