Krise bei den Energiepreisen

Warum die Ölpreise sinken und die Sprit­preise nicht

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Frankfurt am Main. Der Preis für Brentöl ist am Freitag deutlich in Richtung der 100-Dollar-Marke gerutscht. Das entspricht dem stärksten Rückgang innerhalb einer Woche seit fast zwei Jahren. Ob Autofahrer die Abschläge beim Rohöl zu spüren bekommen, ist indes fraglich.

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Unsicherheiten wirken preistreibend

Noch am letzten Freitag in März lag die Notierung für die Referenzsorte deutlich oberhalb von 120 Dollar pro Fass (159 Liter). Dann folgten turbulente Tage an der Rohstoffmärkten. Auf der einen Seite: die Unsicherheiten durch die Kämpfe in der Ukraine, die eher preistreibend wirken. Doch Mitte der Woche wurde andererseits bekannt, dass US-Präsident Joe Biden riesige Mengen aus den strategischen Ölreserven der USA freigeben will.

USA geben 180 Millionen Barrel Rohöl frei

Am Donnerstag hatte die US-Regierung bekannt gegeben, über sechs Monate etwa eine Million Barrel Erdöl je Tag aus ihrer strategischen Reserve freizugeben.

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Die Regierung in Washington beschloss schließlich, dass täglich eine Million Fass auf den Markt gepumpt werden, und zwar für ein halbes Jahr. Biden hat es mit einem großen Chor von Autofahrern zu tun, die sich über die Rekordpreise für Sprit beschweren. Deshalb die bislang größte Intervention dieser Art. Und der Präsident macht Druck auf die US-Ölfirmen, um die heimische Gewinnung von Rohöl zu steigern – es gibt Förderlizenzen in rauen Mengen, die nicht genutzt werden. Branchenkenner vermuten, dass die Unternehmen noch immer das Risiko der sehr aufwendigen Fracking-Technologie scheuen, die bei fallenden Preisen sehr schnell unrentabel werden kann.

Spritpreise in Deutschland sind besonders hoch

Wer im Osterurlaub Deutschland in die Nachbarländer verlässt, kann in den allermeisten Fällen mit niedrigeren Spritpreisen hinter der Grenze rechnen.

Gigantische Einnahmen für Russland

Am Freitag schalteten sich dann Vertreter der Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) zu einer virtuellen Sondersitzung zusammen, um ebenfalls über die Freigabe von Reserven zu debattieren. Nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hofft Biden darauf, dass sich verbündete Staaten dazu entschließen, insgesamt bis zu 50 Millionen Fass zusätzlich locker zu machen. Ergebnisse IEA-Beratungen lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Schon am Donnerstag hatte sich das Erzeugerkartell Opec+ darauf verständigt, die Förderung um 430.000 Fass pro Tag hochzuschrauben. Was sich zunächst nach viel anhört, kommt tatsächlich fast einer Rationierung gleich. Seit August 2021 erhöht der Club der Mineralölproduzenten die Menge monatlich um 400.000 Fass. Doch seither ist die Nachfrage durch das Abflauen der Pandemie erheblich stärker gestiegen. Dass nun noch 30.000 Fass zusätzlich hinzu kommen, hat damit zu tun, dass die Opec+ zudem ihre eigenen Ziele zuletzt nicht einhalten konnte. IEA-Direktor Fatih Birol hat in den vergangenen Monaten die Förderstaaten mehrfach aufgefordert, die Gewinnung des Rohstoffs auf ein Niveau zu steigern, das der Nachfrage entspricht.

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Doch die Scheichs und ihre Mitstreiter machen da nicht mit, was als eine Solidaritätsbekundung für Wladimir Putin gewertet werden kann – Russland gehört auch zur Opec+. Die hohen Preise garantieren dem russischen Staat enorme Einnahmen – solche aus allen Energieexporten des Landes könnten in diesem Jahr nach Hochrechnungen des Institute of International Finance um die gigantische und beispiellose Summe von mehr als 200 Milliarden Dollar steigen. Der größere Teil kommt aus dem Ölgeschäft.

Verdacht der Preistreiberei in der Mineralöl­branche

Dass trotz der Opec+-Knauserigkeit der Ölpreis zum Wochenende nachgab, hat ganz maßgeblich mit China zu tun. In der Volksrepublik, die einer der wichtigsten Importeure des Rohstoffs ist, grassiert derzeit eine neue Pandemiewelle. Rohstoffhändler erwarten nun offenbar, dass es in nächster Zeit weitere Einschränkungen geben könnte – die bei früheren Pandemiewellen sehr rigide ausgefallen waren. Fabriken wurden wochenlang geschlossen, was die industrielle Fertigung bremste. Und damit ging auch die Nachfrage nach Kraftstoff zurück. Das könnte sich nun wiederholen und die Ölpreise weiter drücken, die am Freitag auf das Niveau von Mitte März – also von vor der Ukraine-Invasion – zurückgefallen sind.

Wie sich das an hiesigen Tankstellen bemerkbar machen wird, ist unklar: Dass Autofahrer von gefallenen Ölpreisen bislang nichts gespürt haben, könne damit zusammenhängen, „dass die mineralölverarbeitende Industrie ihre Margen und damit ihre Gewinne erhöht hat“, teilt das Verbraucherportal Clever Tanken mit. Das Kartellamt soll zwar laut Clever-Tanken-Chef Steffen Bock wegen dieses Verdachts nicht mehr nur die Tankstellen, sondern künftig auch Großhändler und Raffinerien genauer beobachten. Doch wann all dies greife, sei ebenso ungewiss wie die geplanten Steuerentlastungen beim Sprit. Hinter der Sache mit der Preistreiberei steckt die Vermutung, dass sich die Großen der Branche abgesprochen haben könnten, um die Preise hoch zu halten.

Besonders Dieselfahrer müssen aktuell tief in die Tasche greifen. Der Kraftstoff ist in den vergangenen Wochen erstmals teurer als Super-Benzin geworden. Das hat aber nichts mit Margen, sondern indirekt mit dem Krieg und mit Heizöl, das Diesel sehr ähnlich ist, zu tun. Normalerweise warteten Hausbesitzer mit dem Kauf von Heizöl bis in die günstigen Sommermonate, so Bock: „Da aber niemand weiß, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt, greifen viele schon jetzt zu.“ Was die Nachfrage und damit die Preise nach zähflüssigeren Kraft- und Brennstoffen steigert.

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