Kommentar zum Prozessbeginn

Wirecard-Prozess: übergroße Erwartung

Der früheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun (Mitte) steht zum Prozessauftakt an der Anklagebank zwischen seinen Anwälten Alfred Dierlamm (links) und Nico Werning (rechts) im Gerichtssaal. Verhandelt wird in einem unterirdischen Sitzungssaal neben der JVA München-Stadelheim. Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Kollaps des Wirecard-Konzerns hat am Donnerstag der Strafprozess im mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen.

Der früheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun (Mitte) steht zum Prozessauftakt an der Anklagebank zwischen seinen Anwälten Alfred Dierlamm (links) und Nico Werning (rechts) im Gerichtssaal. Verhandelt wird in einem unterirdischen Sitzungssaal neben der JVA München-Stadelheim. Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Kollaps des Wirecard-Konzerns hat am Donnerstag der Strafprozess im mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen.

Berlin. Schon zu Beginn sind die Erwartungen, die auf dem Wirecard-Prozess lasten, riesig. Eine der spektakulärsten Pleiten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte soll das Münchner Landgericht aufarbeiten. Es soll Antworten auf die Frage liefern, wie sich Aktionärinnen, Aktionäre, Banken und Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer derart täuschen lassen konnten. Und ganz nebenbei soll es auch noch die ramponierte Ehre der Münchner Justiz wiederherstellen. Es waren ja ausgerechnet die Ermittlungsbehörden in der bayerischen Landeshauptstadt, die Vorwürfe gegen Wirecard erst nicht ernst genug genommen hatten, und dann auch noch gegen die Kritikerinnen und Kritiker ermittelten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
08.12.2022, Bayern, München: Der früheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun sitzt zum Prozessauftakt auf der Anklagebank im Gerichtssaal. Verhandelt wird in einem unterirdischen Sitzungssaal neben der JVA München-Stadelheim. Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Kollaps des Wirecard-Konzerns hat am Donnerstag der Strafprozess im mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen. Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Betrogener oder Bandenboss: Wer ist Ex-Wirecard-Chef Markus Braun?

Der zentrale Prozess zur Aufklärung des Wirecard-Skandals hat begonnen. War der Ex-Konzernchef Markus Braun ein krimineller Bandenboss? Diese Kernfrage muss das Gericht klären.

Das alles könnte ein bisschen viel sein. Trotzdem ist es gut, dass der Mammutprozess nun endlich startet, selbst wenn mit dem schillernden Jan Marsalek einer der mutmaßlichen Drahtzieher nach wie vor auf der Flucht ist.

Keine finanzielle Gerechtigkeit für Geschädigte

Fürs Erste richten sich alle Augen auf den Hauptangeklagten Braun. Eine Alleintäterschaft des einstigen Börsenlieblings ist zwar nahezu auszuschließen, Mitleid muss man mit ihm dennoch keines haben. Braun war entweder grenzenlos dumm oder grenzenlos kriminell, womöglich sogar beides.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Markus Braun, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Wirecard AG.

Jahrhundertbetrug bei Wirecard: die Mutter aller Wirtschaftsprozesse

Am Donnerstag beginnt das Hauptverfahren im Fall Wirecard, einem der größten Betrugs­skandale der deutschen Wirtschafts­geschichte. Nicht nur der Verhandlungsort Stadelheim ist historisch, auch die Ausmaße des Verfahrens sind gigantisch. Allein die Ermittlungsakte ist 700 Ordner dick.

Tausende Anlegerinnen und Anleger haben ihr Vermögen verloren, 5000 Beschäftigte ihre Jobs. Persönliche Gerechtigkeit werden all diese Geschädigten kaum erfahren – denn das dafür notwendige Kapital ist bekanntlich verschwunden. Aber eine kleine Genugtuung dürfte es schon sein, dass die Verantwortlichen für den Jahrhundertskandal nun zur Rechenschaft gezogen werden. Darum geht es in einem Rechtsstaat. Und der muss jetzt in Ruhe seine Arbeit machen dürfen.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen