Antarktis: Pläne für größtes Meeresschutzgebiet scheitern erneut

Die von Umweltexpertinnen und -experten dringend geforderte Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete in der Antarktis ist erneut gescheitert.

Die von Umweltexpertinnen und -experten dringend geforderte Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete in der Antarktis ist erneut gescheitert.

Es ist eine verpasste Gelegenheit für den Schutz der Antarktis – darüber sind sich die Umweltschützer einig. Das fünfte Jahr in Folge gab es keine Einigung für ein neues Meeresschutzgebiet im Südpolarmeer. Bei der 40. Verhandlung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Ressourcen der Antarktis (CCAMLR) haben sich erneut Russland und China quergestellt.

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Die Antarktis-Kommission, die in den vergangenen zwei Wochen in Hobart auf der australischen Insel Tasmanien tagte und die internationalen Mitglieder virtuell zuschaltete, hatte die Chance, große Teile des Südpolarmeeres unter Schutz zu stellen. Die anvisierten Schutzgebiete in der Ostantarktis, im Bereich der Antarktischen Halbinsel und dem Weddellmeer hätten beinahe vier Millionen Quadratkilometer und damit ein Prozent der Weltmeere umfasst. Dies hätte ungefähr der Größe der Europäischen Union entsprochen. „Es wäre die größte Meeresschutzmaßnahme der Geschichte und ein zentraler Hebel im Kampf gegen die globale Klimakrise“, hieß es in einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu Beginn der Verhandlungen.

Lebenswichtiges Ökosystem

Die Antarktis ist der höchst gelegene, trockenste, kälteste und windigste Kontinent der Erde. Sie gilt als eines der letzten Naturreservate der Erde und ist zudem wichtig für den Erhalt des Klimas. In der bis zu 4500 Meter dicken Eisdecke sind rund 90 Prozent des Eises und 70 Prozent der weltweiten Süßwasserreserven gebunden. Im Augenblick gilt die Antarktis als sogenanntes Niemandsland. Bis mindestens 2041 – bis der Antarktisvertrag ausläuft – kann kein Land Anspruch auf den Kontinent aus Eis legen.

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Das Südpolarmeer sei dabei „ein lebenswichtiges Ökosystem“ und spiele „eine entscheidende Rolle zur Einhaltung des 1,5-Grad-Limits“, sagte Sascha Müller-Kraenner, der Bundesgeschäftsführer der DUH. „Es erwärmt sich jedoch mit einer beispiellosen Geschwindigkeit und steuert aktuell auf einen ökologischen Kipppunkt zu.“ Deshalb dürfe beim Schutz des Südpolarmeers keine Zeit verloren gehen. Letzteres betonte auch eine Gruppe an Klima-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem offenen Brief. Die Polarregionen seien schon jetzt am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, hieß es darin. Der Klimawandel würde die Region in Richtung mehrerer Kipppunkte, also nicht mehr umkehrbare Veränderungen, drängen. Dies hätte globale Auswirkungen auf die Menschheit und die Biodiversität.

„Verpasste Gelegenheit“

Die Forderung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnte trotz ihrer Dringlichkeit jedoch keinen positiven Ausgang der Verhandlungen bewirken. Russland und China ließen sich erneut nicht überzeugen und um das Meeresschutzgebiet einzurichten, wäre ein einstimmiger Beschluss notwendig gewesen. „Leider haben es die Verhandlungen zum Meeresschutz in der Antarktis auch in diesem Jahr nicht geschafft, einen Konsens zu erzielen“, sagte Müller-Kraenner, nachdem das Ergebnis nach Abschluss der Verhandlungen am Freitag bekannt wurde. Dabei sei es seit Jahren „offensichtlich“, dass die antarktischen Gewässer Schutz bräuchten. „Die neue Bundesregierung muss sich im kommenden Jahr massiv für den Schutz des möglicherweise größten Meeresschutzgebiets der Welt einsetzen“, sagte er in Bezug auf das deutsche Engagement bei den Verhandlungen.

Enttäuschung über die „verpasste Gelegenheit“ äußerte auch Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC). „Leider wurden die drei lebenswichtigen Meeresschutzgebiete in der Antarktis in diesem Jahr nicht Realität“, sagte sie. „Doch der Planet und die kostbaren marinen Lebensräume der Antarktis können sich kein weiteres Jahr der Untätigkeit leisten.“

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Kleiner Hoffnungsschimmer

Hoffnung gibt es jedoch dahingehend, dass sich die CCAMLR-Mitglieder immerhin darauf einigen konnten, eine wichtige Schutzmaßnahme zu verlängern. Diese reguliert die vorläufigen Fangmengen von Krill, also von Kleinkrebsen, die die Lebensgrundlage der meisten anderen Tiere sind.

Und 2016 hatte sich die Kommission immerhin schon einmal zu wichtigen Meeresschutzmaßnahmen durchgerungen. Damals wurden rund 1,55 Millionen Quadratkilometer im Rossmeer vor der südlichen Küste der Antarktis – eine Fläche etwa viermal so groß wie Deutschland – zur Schutzzone erklärt. Die historische Vereinbarung, die im Dezember 2017 in Kraft trat, war ein erster Sieg für die vielfältige Tierwelt der Region: Mehr als 10.000 Tierarten, darunter Pinguine, Wale, Seevögel, Tintenfische, Knochenfische, Robben und antarktischer Krill, profitierten von der damaligen Entscheidung.

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