In 200 bis 300 Millionen Jahren

Der Pazifik macht Platz für den nächsten Superkontinent

In 200 bis 300 Millionen Jahren könnte die Erde völlig anders aussehen als heute (Archivbild).

In 200 bis 300 Millionen Jahren könnte die Erde völlig anders aussehen als heute (Archivbild).

Sydney. 1912 bemerkte der deutsche Meteorologe und Geowissenschaftler Alfred Wegener, dass die heutigen Kontinente einst eine riesige Landmasse waren, die später auseinanderbrach. Diesen Superkontinent nannte Wegener Pangaea, ein Wort, das sich aus dem Griechischen ableitet und soviel wie „alle Länder“ bedeutet. Pangaea brach vor rund 200 Millionen Jahren in zwei neue Kontinente auseinander: Laurasia und Gondwanaland. Aus Laurasia entstanden das heutige Nordamerika, Europa und Asien. Gondwanaland spaltete sich in Südamerika, Afrika, die Antarktis, Indien, Australien und Zealandia, das heute weitestgehend unter Wasser liegt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In weiteren 200 bis 300 Millionen Jahren wird die Situation, wie wir sie heute kennen, erneut eine völlig andere sein. Wie diese Welt der Zukunft aussehen könnte, das haben Forschende der Curtin University im westaustralischen Perth sowie der Peking University in China versucht herauszufinden. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbeiteten dabei mit einem Supercomputer, der die Entwicklung der tektonischen Platten der Erde und die Entstehung eines zukünftigen Superkontinents modellierte. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Forschenden in der Zeitschrift „National Science Review“.

Pazifik in der Hauptrolle

„In den letzten zwei Milliarden Jahren sind die Kontinente der Erde alle 600 Millionen Jahre zu einem Superkontinent zusammengestoßen“, sagte der Hauptautor der Studie, Chuan Huang, von der Curtin University. Dieser Prozess sei als Superkontinentzyklus bekannt. „Das bedeutet, dass die heutigen Kontinente in ein paar Hundert Millionen Jahren wieder zusammenrücken werden.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Forschenden vermuten, dass die bisherigen Superkontinente sich auf sehr unterschiedliche Weise gebildet haben. So zeigt die Simulation des Teams, dass die Dicke und Stärke der tektonischen Platten unter den Ozeanen im Laufe der Zeit abgenommen hat. Grund dafür ist, dass die Erde sich seit ihrer Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren abkühlt. Letzteres lässt laut den Forschenden die Vermutung zu, dass sich der nächste Superkontinent nicht bilden wird, indem die „jungen“ Ozeane wie der Atlantik oder der Indische Ozean geschlossen werden. Stattdessen wird ihrer Meinung nach der älteste Ozean der Welt, der Pazifik, die Hauptrolle spielen.

Australien als Bindeglied

Der Pazifische Ozean ist das, was vom Superozean Panthalassa übrig geblieben ist. Er ist der älteste Ozean der Erde. Der Pazifik schrumpft seit der Dinosaurierzeit. Basierend auf der neuen Simulation wird der Ozean, der momentan noch 10.000 Kilometer spannt, damit in weniger als 300 Millionen Jahren verschwunden sein.

Grund dafür ist, dass die Kontinente keine fixierten Landmassen sind: Stoßen Asien und Amerika zusammen, so entsteht daraus ein neuer Superkontinent, dem die Forschenden auch schon einen Namen gegeben haben: Amasia. „Es wird auch erwartet, dass Australien bei diesem wichtigen Erdereignis eine Rolle spielen wird“, meinte Chuan Huang. Vermutlich werde der fünfte Kontinent zuerst mit Asien kollidieren und dann Amerika und Asien verbinden, sobald sich der Pazifik schließe. Australien driftet derzeit mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben Zentimetern pro Jahr in Richtung Asien, während Eurasien und Amerika sich langsamer in Richtung Pazifik bewegen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Klimaveränderungen, Erdbeben und weniger Artenvielfalt

„Die Erde, wie wir sie kennen, wird sich drastisch verändern, wenn sich Amasia bildet“, sagte der Co-Autor der Studie, Zheng-Xiang Li, von der Curtin University. Beispielsweise werde der Meeresspiegel aller Voraussicht nach niedriger sein, meinte der Forscher. Außerdem erwarten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen etliche Klimaveränderungen.

Letzteres liegt daran, dass „Meeresströmungen durch Kontinentalkollisionen gestoppt werden oder neue Meeresströmungen entstehen, wenn Kontinente auseinanderbrechen“, wie der Forscher erklärte. So wird das weite Innere des neuen Superkontinents vermutlich sehr trocken sein und hohe tägliche Temperaturschwankungen aufweisen. Umgeben von einem neuen Superozean wird der neu gebildete Superkontinent vermutlich auch eine verringerte Artenvielfalt aufweisen. Zudem erwarten die Forschenden mehr Erdbeben, wenn Kontinentalplatten zusammenstoßen.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen