Forscher entwickeln künstlichen Uterus

Heranwachsen wie im Mutterleib: Dieser Lammfötus hat vier Wochen in einer künstlichen Gebärmutter gelebt.

Heranwachsen wie im Mutterleib: Dieser Lammfötus hat vier Wochen in einer künstlichen Gebärmutter gelebt.

Philadelphia. Neue Hoffnung für Frühchen: Forscher aus Philadelphia haben einen künstlichen Uterus entwickelt, der Lammföten eine Entwicklung wie im Mutterleib ermöglicht. Mit der Neuentwicklung wollen die Mediziner in den kommenden zehn Jahren auch menschliche Frühgeburten effektiver und schonender behandeln können.

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Die Ergebnisse der dreijährigen Studie veröffentlichten das 18-köpfige Forscherteam des Children`s Hospital of Philadelphia (CHOP) am Dienstag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Communications. Das interdisziplinäre Team des Kinderkrankenhauses beschreibt in dem Artikel ausführlich, wie ein Lammfötus vier Wochen lang in der künstlichen Gebärmutter gelebt und sich darin normal entwickelt hat. Bis es soweit war, haben die Forscher insgesamt vier Prototypen entwickelt und an sieben Lammföten geforscht.

Das Blut wird außerhalb des Systems gereinigt

Der nachgebildete Uterus besteht aus einer Art Plastikbeutel, der mit künstlich hergestelltem Fruchtwasser gefüllt ist. In der sterilen Umgebung kann das Tier eigenständig atmen, was den Lungen eine Herausbildung unter Bedingungen wie in der natürlichen Umgebung ermöglicht. Auch das Herz des Fötus arbeitet dabei wie im Mutterschaf: Es pumpt das Blut durch die Nabelschnur, das außerhalb des Beutels in einer Gasaustauschmaschine gereinigt wird. Dabei werden Sauerstoff und Kohlenstoff im Blut erneuert, bevor es wieder zurückfließt.

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Studienleiter Alan Flake bezeichnete die Entwicklung als „Brücke zwischen dem Uterus der Mutter und der Außenwelt“. Die Entwicklung eines Uterus-Systems außerhalb des Körpers könne die Ergebnisse in der Behandlung sehr junger Frühchen erheblich verbessern. Er hoffe, dass eine ähnliche Vorrichtung für menschliche Föten ab der 23. Schwangerschaftswoche innerhalb eines Jahrzehnts in Krankenhäusern zum Einsatz kommen könne. Die Autoren der Studie betonen, dass die künstliche Gebärmutter den Menschen nicht ersetzen soll. Vielmehr ginge es darum, den Föten den Einsatz von Beatmungsgeräten und Inkubatoren zu ersparen und Folgeschäden wie Behinderungen zu verringern.

Die Behandlung von Frühchen kostet jährlich 43 Milliarden US-Dollar

Extreme Frühgeburten sind in den USA der Hauptgrund für Kindersterblichkeit. Die Kosten für die Behandlung der Frühchen belaufen sich jedes Jahr auf rund 43 Milliarden US-Dollar. Durch einen einsatzfähigen Kunstuterus könnten diese Kosten nach Angaben des Forscherteams erheblich verringern. Die Studie soll fortgesetzt werden. Damit die Vorrichtung auch beim Menschen eingesetzt werden kann, muss sie allerdings schrumpfen: Menschliche Föten sind im Gegensatz zu Lammföten um zwei Drittel kleiner.

Von Lutz Timm/RND

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