Bild zeigt Ausmaß der Katastrophe

Great Barrier Reef: Sechste Massenbleiche verursacht schwere Schäden

Auf diesem von der Great Barrier Reef Marine Park Authority zur Verfügung gestellten Foto schwimmen kleine Fische in den Gewässern des Ribbon Reef 10 in der Nähe von Cairns, Australien. Das Great Barrier Reef vor Australiens Nordostküste ist angesichts wärmerer Meerestemperaturen erneut einer ernsthaften Korallenbleiche ausgesetzt.

„Reef Snapshot“ – also ein „Schnappschuss des Riffs“ – so heißt der Bericht, den die Great Barrier Reef Marine Park Authority am Dienstagabend veröffentlicht hat. Mehrere Wochen war die Analyse bereits überfällig, nun kam der Bericht doch noch rechtzeitig vor den australischen Parlamentswahlen am 21. Mai heraus. Die Ergebnisse zeichnen ein düsteres Bild des Riffs: Von den Einzelriffen, die über die vergangenen Wochen untersucht wurden, waren 91 Prozent von der diesjährigen Korallenbleiche betroffen.

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Der „Schnappschuss“ zeigt, dass die überdurchschnittlich hohen Wassertemperaturen im australischen Spätsommer das gesamte 2300 Kilometer lange Riffsystem betroffen haben. Von den insgesamt 719 Riffen, die zwischen der Torres-Straße und der Capricorn Bunker Group am südlichen Ende des Riffsystems untersucht wurden, zeigten 654 Riffe Zeichen einer Bleiche. Besonders schlimm ist die zentrale Region zwischen Cape Tribulation und den Whitsundays betroffen – die Region, die bei Urlaubern besonders beliebt ist.

Erste Bleiche in einem La Niña-Jahr

Die Massenbleiche – die sechste seit 1998 und die vierte seit 2016 – ist die erste Bleiche in einem normal kühleren La Niña-Jahr. Das Wetterphänomen – das Gegenstück zu El Niño – bringt mehr Regen und Wolken über Australien. Deswegen hatten Forscher eigentlich gehofft, dass das Riff eine Erholungsphase vor sich hätte.

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„Trotz der La Niña-Bedingungen erwärmten sich die Gewässer des Great Barrier Reef Anfang Dezember 2021, dem heißesten Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen seit 1900″, heißt es in einem Begleittext zum Bericht. Die Temperaturen hätten die historischen Sommerhöchstwerte übertroffen, die normalerweise auftreten würden.

„Der nächste starke El Niño wird schrecklich sein“

Terry Hughes, einer der bekanntesten Korallenforscher Australiens, ordnete den Bericht auf Twitter ein und schrieb: Im Vergleich zu früheren Massenbleichereignissen sei 2022 schwerwiegender als 1998 gewesen, das damals heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, und auch schwerwiegender als 2002. 2016 – ein El-Niño-Sommer – bleibe das bisher „tödlichste Ereignis“. Damals seien 30 Prozent der Korallen durch die Bleiche gestorben, 51 Prozent davon im Norden des Riffs. „Der nächste starke El Niño wird schrecklich sein“, prophezeite der Forscher. El Niño-Jahre sind traditionell heiß und trocken in Australien. In seinen Tweets kritisierte der Korallenexperte auch, dass der Bericht weder den Kohlebergbau noch Treibhausgasemissionen erwähne.

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Die Analyse wurde wenige Wochen nach einem Besuch der Unesco am Riff veröffentlicht und wenige Tage, bevor die Australier ein neues Parlament wählen (21. Mai). Bisher hat das Riff in den Wahldebatten der großen Parteien wenig Raum gefunden. Doch das Great Barrier Reef, das aus 3000 Einzelriffen besteht und die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten bildet, ist nicht nur für Australiens Biodiversität von höchster Wichtigkeit, auch der wirtschaftliche Aspekt für die Menschen ist nicht zu unterschätzen: 60.000 Menschen in Australien arbeiten in einem Beruf, der mit dem Great Barrier Reef in Verbindung steht.

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Landet das Riff auf der „Roten Liste“?

Das Riff kränkelt seit Jahren: Zusätzlich zu den höheren Wassertemperaturen machen den Korallen auch Stürme, Abwässer aus der Landwirtschaft, der Ausbau von Kohlehäfen und die invasive Art des Dornenkronenseesterns zu schaffen. Erst im November zeigte eine Studie, die im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde, dass inzwischen bereits 98 Prozent der Einzelriffe seit 1998 einer Bleiche ausgesetzt waren. Im Oktober 2020 war eine weitere Studie zudem zu dem Schluss gekommen, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist.

Die erneute Bleiche kommt zu einer kritischen Zeit für das Riff: Denn die Unesco hatte Ende März erst eine Delegation ans Riff geschickt, um dessen Gesundheitszustand zu überprüfen. In der nächsten Sitzung des Welterbekommitees, die für Juni anvisiert war, nun aber auf ein unbestimmtes Datum verschoben wurde, soll die Debatte wieder aufgenommen werden, ob das Riff als gefährdet eingestuft wird. In diesem Fall würde es auf der sogenannten „Roten Liste“ der Unesco landen – letzteres wäre eine große Blamage für Australien. Im vergangenen Jahr war das Riff nach einer groß angelegten Marketingkampagne der australischen Regierung nicht aufgenommen worden.

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