Liegestuhl oder Frottierhandtuch? Sechs Möglichkeiten, im Strandurlaub zu entspannen

Viele suchen sich komfortablere Möglichkeiten als ein Handtuch, um am Strand zu entspannen – zum Beispiel den Strandkorb.

Am Strand zu liegen ist für viele heute selbstverständlich im Urlaub. Doch ein paar Tage am Meer waren nicht immer automatisch verbunden mit dem Sonnenbad im Sand.

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Ausgerechnet im nicht immer sonnenverwöhnten Nordengland etablierten sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die ersten Seebäder. Scarborough in Yorkshire war der erste Ort, den vor allem Besserverdienende zum Erholen entdeckten. Es folgten Brighton, Margate, Blackpool und viele weitere. Königin Victoria schätzte im 19. Jahrhundert das Bad vor ihrem Anwesen Osborne House auf der Isle of Wight – natürlich noch streng diszipliniert im Badeanzug mit privatem Umkleide­häuschen. Bis heute sind die bunten Holzhütten typisch für die britischen Strände.

Heiligendamm brachte das Badevergnügen 1793 auch nach Kontinental­europa: Deutschlands erstes Seebad war auch das erste auf dem Festland. Es zog den europäischen Adel an die Ostsee und setzte ähnlich wie die englischen Küstenbäder den Maßstab. Edel sollte es sein, gesehen werden wollten die Gäste – das Baden selbst spielte zunächst eine eher untergeordnete Rolle. In Großbritannien ist der Vormarsch der Eisenbahn eng verknüpft mit der Öffnung der Seebäder für alle. Immer neue Strecken boten auch Normal­verdienern die Möglichkeit, ans Meer zu reisen. Mit den Normalverdienern kam der Badeurlaub: Sie reisten aus den Großstädten an, um am Strand zu liegen und ins Meer zu gehen. Den Adel zog es weiter – unter anderem an die Riviera und andere Ecken der Welt.

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Eine Typologie der beliebtesten Sitzgelegenheiten für den Strand.

Der Liegestuhl

Den Liegestuhl gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert.

Den Liegestuhl gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert.

Die englische Bezeichnung des Liegestuhls verrät eine Menge über dessen Geschichte: Der „deck chair“ war ursprünglich zur Entspannung von Passagierinnen und Passagieren auf Kreuzfahrtschiffen gedacht, setzte sich aber schnell auch am Strand und anderswo durch. Der Brite John Thomas Moore meldete 1886 ein Patent für die justier- und faltbaren Stühle an, zur selben Zeit aber waren sie in den USA bereits gängig. Erste Versionen waren noch nicht höhenverstellbar, doch der mit einem Segeltuch bespannte Holzrahmen ist von Anbeginn an typisch für diese Art Möbelstück gewesen. Inzwischen gibt es sie in etlichen Varianten – mit Armlehne, Fußteil und auch mit einem ausklappbaren Sonnenschutz.

Der Strandkorb

Ein Klassiker an deutschen Nord- und Ostseestränden: der Strandkorb.

Ein Klassiker an deutschen Nord- und Ostseestränden: der Strandkorb.

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Theodor Fontane machte es sich darin bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf Norderney bequem, inzwischen stehen Strandkörbe aber längst auch in vielen Gärten und auf Balkons fernab der Küsten. Vor allem während des Lockdowns wollten viele ein Stück Urlaubsgefühl auf dem heimischen Grundstück haben. Der Strandkorb ist ein Klassiker. Der Rostocker Hofkorb­macher­meister Wilhelm Bartelmann gilt als dessen Erfinder, auch wenn es erste Ansätze bereits vorher gegeben haben könnte. Bartelmann aber etablierte den heute üblichen Zweisitzer mit Markise, Fußstützen und Seitentaschen. Der Korbmacher schuf damit indirekt eine weitere Branche: die der Strandkorbvermieter. Inzwischen sind es rund 100.000 an den deutschen Küsten. Bartelmanns Klassiker wurde längst weiterentwickelt: vom Schlafstrandkorb mit Überzug bis zum Riesenexemplar – im bekanntesten nahmen 2007 beim G8-Gipfel in Heiligendamm Staatschefs aus aller Welt zum Gruppenfoto Platz.

Das Luftsofa

Wer das Luftsofa erfunden hat, darüber streiten sich Hersteller bis heute.

Wer das Luftsofa erfunden hat, darüber streiten sich Hersteller bis heute.

Vor ein paar Jahren schaffte es das Luftsofa sogar in die Nachrichten – allerdings nicht, weil es neu, praktisch und ein echter Trend zu sein schien. Vielmehr tobte auf Crowd­funding-Plattformen ein kleiner Wettbewerb unter den Herstellern. Jeder wollte es erfunden haben, jeder sammelte Geld, um das Produkt in großem Stil auf den Markt zu bringen. Heute gibt es Luftsofas von unterschiedlichen Anbietern, von Fatboy über Seatzac bis Blumfeldt. Zusammengefaltet sind sie meist nicht größer als ein Turnbeutel, in kürzester Zeit aufgepustet fast so bequem wie das Sofa zu Hause. Wie innovativ sie sind, darüber lässt sich streiten: Jonathan De Pas, Donato D’Urbino und Paolo Lomazzi entwickelten bereits 1967 gemeinsam mit Carla Scolari ihren „Blow“, den ersten industriell hergestellten aufblasbaren Sessel. Er wurde auf der Mailänder Möbelmesse 1968 präsentiert und war sofort ein Renner. Heute gilt er als Ikone der Sechzigerjahre­möbel.

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Die Hängematte

Ursprünglich war die Hängematte als Schutz vor wilden Tieren gedacht.

Ursprünglich war die Hängematte als Schutz vor wilden Tieren gedacht.

Es war Christoph Kolumbus, der die Hängematte in Europa etablierte: Auf seinen Amerika-Reisen lernte er den zwischen zwei Befestigungen hängenden Stoff bei den Einheimischen kennen und fand ihn offenbar so beeindruckend, dass er die Vorrichtung sogar in seinen Tagebuch­aufzeichnungen erwähnte. Während die Hängematte ursprünglich eher einen praktischen Schutz vor gefährlichen Tieren darstellte, entwickelte sie sich schnell zum festen Inventar auf damaligen Seereisen: Sie war platzsparend und günstig. Und sie ist bis heute ein Hit am Strandrand und im Garten.

Der Adirondack-Chair

Groß, massiv und knallrot: der Adirondack-Chair.

Groß, massiv und knallrot: der Adirondack-Chair.

Kaum ein Sitzmöbelstück ist so amerikanisch wie der Adirondack-Chair: Rot lackiert steht der mächtige Holzsessel mit seiner besonders breiten Armlehne an vielen Seen in Kanada. Doch erfunden wurde er streng genommen in den USA. Thomas Lee kreierte ihn 1902 für eine Familienfeier in den Adirondack Mountains im Bundesstaat New York. Ein befreundeter Tischler, Harry Bunnel, ließ den Sessel 1905 als Westport-Chair patentieren. Inzwischen ist die Möbelikone längst über den Atlantik gekommen – an vielen Stränden ist er der perfekte Ersatz für andere Sitzgelegenheiten geworden.

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Das Frottierhandtuch

Frottierhandtücher dürfen für viele weder im Bad noch am Strand fehlen.

Frottierhandtücher dürfen für viele weder im Bad noch am Strand fehlen.

Der Klassiker im Bad war lange Zeit auch das einzige Utensil für einen Strandbesuch – und er gehört dabei bis heute zum festen Inventar für jeden Tag am Meer: das Frottierhandtuch. Samuel Holt entwickelte 1850 für seinen Arbeitgeber Christy eine Methode, um Frottierhandtücher maschinell herzustellen. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Königin Victoria ließ sie massenweise bestellen, und ihr Volk tat es ihr in bekannter Manier nach. Bis heute gilt Christy als Erfinder der Handtücher – dabei gab es sie auch zuvor bereits in Handarbeit gefertigt im Gebiet rund um die Türkei. Henry Christy, der Sohn des Firmeninhabers, hatte sie dort bei einer Reise entdeckt. Deswegen hieß das Handtuch früher im Englischen auch „turkish towel“. Das Wort Frottieren stammt indes aus dem Französischen – „frotter“ bedeutet so viel wie abreiben.

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