Unzufrieden und wenig höflich: Wie kann ich Dankbarkeit lernen?

Einfach mal danke sagen: Denn das eigene positives Mindset steckt auch die Umgebung an.

Es scheint als hätte der Internetriese Google seinen höflichsten Nutzer gefunden – die 86-jährige May Ashworth. Das meldete die BBC 2016 auf der eigenen Website. Warum das dem britischen Sender eine Meldung wert war? Weil jene May Ashworth eine Google-Suche gestartet hatte, bei der ihr Enkel Ben John zufällig über die Schulter schaute. Er war so verblüfft und begeistert, dass er einen Screenshot von der Eingabe machte und diesen auf Twitter teilte.

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Als Reaktion darauf gab es Tausende Likes. Der Hype machte sich vor allem an der Formulierung des Suchmaschineneintrags fest. Die Britin hatte geschrieben: „Bitte übersetze diese römischen Zahlen MCMXCVIII, danke“. Bitte und Danke! Im Internet!

Nett und freundlich im Internet unterwegs?

Höfliche Umgangsformen sind in der Netzwelt keine Selbstverständlichkeit. Wir verschicken oftmals Nachrichten in Form von stichwortartigen Sätzen, ohne Anrede oder Grußformel. Beim atemlosen Teilen von Informationen bleiben „Bitte“ und „Danke“ häufig auf der Strecke. Auch im realen Leben wird Mangel an Respekt und Höflichkeit beklagt, etwa von Lehrern, Polizisten und Pflegern, aber auch im Einzelhandel.

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Umgekehrt fühlen sich Kunden, Patienten und Klienten oft nicht nett behandelt. Unfreundlichkeit ist ein gesellschaftliches Grundgefühl geworden. Beschwerden über rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, schlecht gelaunte Brötchenverkäufer und griesgrämige Paketboten hört man fast jeden Tag – oder äußert sie selbst.

Unhöflicher Lifestyle ist ansteckend

Aussagekräftige Statistiken darüber, dass Unhöflichkeit zugenommen hätte, gibt es nicht. Dafür viele Klagen über eine angeblich verloren gegangene Tugend, die in Deutschland schon immer weniger gepflegt wurde als beispielsweise in Großbritannien. Oder der Schweiz, die vor einigen Jahren ungewohnt direkt wurde und in einer Plakatkampagne zur Integration von Ausländern die Deutschen bat: „Sag doch statt ‚Ich krieg dann mal!’ lieber ‚Bitte könnte ich vielleicht?’“

Aus der Psychologie weiß man, dass Verhaltensweisen ansteckend sind. So auch Unhöflichkeit. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die meisten Menschen einem freundlich begegnen, wenn man selbst liebenswürdig ist. Hier kommen die Achtsamkeitswächter auf den Plan, die für mehr innere Gelassenheit nun ein neues Rezept ersonnen haben: Vitamin D. Wobei das „D“ für Danke steht. Aus biochemischen Studien ist bekannt, dass positive Gefühle wie Dankbarkeit entspannen und zu einer vermehrten Ausschüttung von Glückshormonen führen. Unsere Stimmung bessert sich, wir werden innerlich ruhiger.

Dankbarkeit trainieren - zum Beispiel mit einem Tagebuch

Das Dankbarkeitstraining sieht vor, sich alltägliche positive Begebenheiten vor Augen zu führen und aufzulisten, um auf diese Weise den Blick auf die Dinge zu verändern. Der Zug fällt aus und damit auch der wichtige Geschäftstermin? Dafür war dann endlich Zeit, den Aktenstapel im Büro abzuarbeiten und mal wieder mit Kollege X in die Kantine zu gehen. Danke für diesen guten Morgen!

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Und weil der so schön war, und man das gern noch mal schwarz auf weiß lesen will, wenn sich doch Unbehagen ob des geplatzten Termins breit machen sollte, gibt es im Internet oder im Buchhandel hübsch aufgemachte Dankbarkeitstagebücher. Jeder Eintrag verspricht „mehr Liebe, mehr Erfolg, mehr Wohlstand“. Und letztlich wohl auch mehr Egozentrik. Wenn die 120 Seiten ausgefüllt sind, ist es vielleicht an der Zeit, regelmäßig laut und deutlich „Danke“ im Umgang mit anderen zu sagen. Ganz bewusst.

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