Band Deine Freunde: Das sind die neuen Coaches bei “The Voice Kids”

“Flo (links) ist der größte Quatschmacher“: Die drei Musiker von der Kinderband Deine Freunde

Ihr seid die erfolgreichste Kinderband Deutschlands – mit fünf Alben, Hunderttausenden von Fans, ausverkauften Konzerten. Was unterscheidet denn ein Kinderpublikum von einem Erwachsenenpublikum?

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Lukas Nimschek: Man sagt immer, Kinder seien ehrlicher. Aber in Wahrheit ist der Unterschied gar nicht so groß. Wenn wir ein langweiliges Konzert spielen würden, würden sie das sicher mit ausbleibendem Applaus goutieren. Aber unser Publikum besteht eben zur Hälfte aus Eltern. Ich glaube, dass so ein Familienpublikum wärmer ist als andere. Wir kriegen so viel Liebe und Dankbarkeit.

Flo Sump: Ich glaube, da kommen zwei Sachen zusammen. Zum einen haben wir einen gewissen professionellen Anspruch an uns selber. Wir wollen nicht, bloß weil uns Kinder zuhören, nur das Minimum abliefern. Wir wollen es so machen, dass wir als Konzertbesucher auch selbst begeistert wären. Wir wollen uns Mühe geben – und nehmen unseren Job ernst. Und zum anderen gibt es als Familie ja gar nicht so viele Möglichkeiten der gemeinsamen Freizeitgestaltung, bei der alle auf ihre Kosten kommen. Dass wirklich die ganze Familie sagt: Das war ein geiler Nachmittag – das hast du selten. Die Kinder kommen nach zwei Stunden verschwitzt und völlig fertig mit der Welt aus dem Kinderbereich zurück, aber die Eltern haben eben auch ihren Part gefunden. Dass das alles so gut zusammenpasst, wirkt wie eine Gute-Laune-Pille.

Die Jury ist startklar: Die "The Voice Kids"-Coaches Lena (M.) sowie (v.l.n.r.) Max Giesinger, Sasha und Deine Freunde Florian "Flo" Sump und Lukas Nimscheck.
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Ihr wechselt ziemlich souverän bei der Ansprache. Mal sprecht ihr zuhörende Eltern an, oft direkt die Kinder. Dann wieder nehmt ihr selbst die Kinderperspektive ein. Wie kommt das, dass Kinder das nicht verwirrt?

Flo: Man darf nicht glauben, dass Lieder, die sich an Eltern richten, für Kinder nicht so interessant seien. Wir erinnern uns ja auch alle noch daran, dass wir als Kinder auf der Rückbank im Auto englischsprachige Lieder mochten, die die Eltern hörten…

Lukas: …Oder “Voyage, Voyage”…

Flo: Musik löst ja Emotionen in dir aus. Und Kinder sind sowieso bereit, alles aufzunehmen, was im Familienkosmos stattfindet. Es muss also gar nicht immer deren Lebensrealität abbilden. Selbst wenn es etwas ist, was sie nicht kennen – wie ein Elternabend –, haben sie trotzdem ein Interesse daran. Und auch wenn sie nicht diejenigen sind, die die Steuern erklären müssen, kennen sie trotzdem mindestens einen, der davon genervt ist.

Lukas: Wenn man Gangsta-Rap hört, heißt das ja auch nicht, dass man ein Gangster ist. Man muss Musik nicht immer zu 100 Prozent auf sich beziehen. Manchmal darf sie auch einfach unterhaltend sein. Wir haben uns von dieser Frage der Perspektive irgendwann freigemacht. Bei den ersten Alben haben wir uns das noch nicht so getraut, die Kinderperspektive zu verlassen. Und jetzt ist uns das doch ziemlich egal. “Kater vs. Vollzeitrausch” zum Beispiel ist jetzt nicht unbedingt ein Kindertitel. Aber vielleicht gibt’s den einen oder anderen Papa oder die eine oder andere Mama, die dabei ein Tränchen verdrückt.

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DEINE FREUNDE IM VIDEOINTERVIEW

Erstmals sind Lukas Nimschek (31) und Florian “Flo” Sump (38) als Coaches bei der Sat.1-Castingshow “The Voice Kids” dabei. Der achtjährige Joris interviewt die “coolste Kinderband der Welt” per Video. Es geht um Vorbilder, Rituale und die Frage, wer von den drei Mitgliedern der größte Quatschmacher ist:

Diese Fähigkeit zum Hineindenken in Kinderseelen – kommt die noch aus der eigenen Erinnerung? Oder aus der Beobachtung von Kindern heute?

Flo: Aus der eigenen Erinnerung. Und wir freuen uns in unserem jetzigen Alltag regelrecht, wenn es eine Parallele zu früher gibt. Wenn das eigene Kind dir zum Beispiel am Hosenbein zieht uns du sagst: “Schatz, ich unterhalt’ mich gerad‘!” Diesen Satz hat schon meine Mutter damals genau so betont. Es gibt nur eine Art, wie man diesen Satz ausspricht – und genau so wird er heute immer noch ausgesprochen.

Lukas: Nach außen freundlich, nach innen gemein…

Flo: Das sind die Momente, über die wir uns freuen. Es hat etwas Tröstliches, dass sich die Welt zwar verändert und so wahnsinnig viel passiert – aber manche Dinge und manche Dynamiken in den Familien bleiben einfach gleich. Und wir machen uns über solche Elternsätze zwar lustig, aber mir als Vater rutschen genau solche Sätze auch heraus. “Mein Lieber Freund, ich zähl bis drei…!” Du kommst dir bescheuert vor, wenn dir das über die Lippen kommt, aber du hast es selber als Kind so oft gehört. Wichtig ist nur, dass man darüber lachen kann und nicht alles so bierernst sieht.

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"Die Entwicklung ist sehr erfreulich": "Das fünfte Album der Hip-Hop-Band Deine Freunde - Florian „Flo“ Sump, Markus Pauli und Lukas Nimschek - heißt "Helikopter". Es geht um Eltern, die „Ameisenscheiße“ rufen, Kinder, die nicht abgeholt werden wollen, und fiese Alltagsschmerzen.

Sie sind Vater eines Sohnes. Kommt es vor, dass er einen Ihrer Texte gegen Sie verwendet?

Flo: Noch nicht. Er ist noch zu jung. Aber der Tag wird kommen. Vor allem bei dem “Räum auf”-Song. Da mache ich mir gar nichts vor.

Ist "Kindermusiker" mehr Auszeichnung oder mehr Herabwürdigung?

Lukas: In Deutschland gibt es immer Label für alles. Uns ist alles recht. Am Ende stehen auch vor unserer Bühne 50 Prozent Erwachsene.

Flo: Für uns ist es eher eine Auszeichnung. Wir fanden es jedenfalls nie peinlich, so genannt zu werden. Wir wollten auch zu keinem Zeitpunkt keine Kinderband sein. Und was ist das überhaupt – eine Kinderband? Eigentlich eine Band, die aus Kindern besteht. Die Jackson Five waren eine klassische Kinderband.

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Habt ihr auch Fans, die gar keine Kinder haben?

Lukas: Ein paar Pädagogen kommen manchmal zu uns. Das gibt’s schon. Aber es ist nicht der Regelfall.

Bei euren Konzerten sind Betreuer unterwegs, es gibt einen Extra-Kinderbereich, dazu die Sicherheitsbändchen mit Telefonnummer…

Lukas: Das ist über die Jahre gewachsen. Ich glaube, wir sind die einzige Popband in Deutschland, die auf diesem Niveau spielt und die Erzieher im Tourbus dabei hat.

Flo: Und die Securityleute in den großen Hallen, die meistens von vor Ort stammen, müssen dann immer erst eingewiesen werden, dass heute keine Besoffenen aus dem Publikum gezogen werden müssen, sondern dass ein bisschen mehr Feinfühligkeit und Sensibilität von Nöten sind. Das musst du so einem Hells Angel erst mal erklären.

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Ihr seid in relativ kurzer Zeit sehr erfolgreich geworden…

Lukas: Naja – wir machen das jetzt im neunten Jahr. Der “Schokolade”-Song ist fast zehn Jahre alt. Davon leben können wir seit vier oder fünf Jahren. Aber das Niveau war schon immer steigend, das stimmt.

Flo: Also, ich sag mal: Die Entwicklung ist sehr erfreulich. Auf der ersten Tour haben wir in 150er-Hallen gespielt und sehr viel auf Stadtfesten, auf Paletten stehend…

Lukas: “Hier, ein Trinkpäckchen!”

Flo: Und von Tour zu Tour wurde es größer. Aber es ging längst nicht so rasend schnell wie damals bei Echt: ein Artikel in der “Bravo”, ein Video auf Viva – und bämm! Bei Deine Freunde haben wir das Gefühl, dass es in einem gesunden Tempo gewachsen ist.

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Lukas: Wir bewegten uns ja auch völlig außerhalb des üblichen Popbetriebs. Wir hatten keinen Hit, wir wurden nicht im Radio gespielt. Wir mussten alles ganz neu erfinden.

Flo: Aber wir hatten von Anfang an das geheimste und wertvollste Promo-Tool aller Zeiten auf unserer Seite: Mundpropaganda unter Eltern. Die erzählen sich, wenn sie etwas Gutes entdecken.

"Wir müssen uns nicht inszenieren und verstellen": Florian "Flo" Sump v.l.n.r.) und Lukas Nimscheck von der Band Deine Freunde mit Lena Meyer-Landrut, Max Giesinger und Sasha im Studio von "The Voice Kids".

Die Teilnahme als Juroren bei “The Voice Kids” ist euer größter Fernsehauftritt bisher. Was habt ihr für Erwartungen?

Flo: Das Tolle ist erstmal, dass wir hier als wir selbst antreten können. Wir müssen uns nicht inszenieren oder verstellen. Das mussten wir auch erst mal kapieren in den ersten Drehtagen. Das ist schon beeindruckend und mächtig hier. Da musst du dich erst mal trauen, du selbst zu sein. Wir sind froh, dass wir zu zweit sind. So konnten wir uns gegenseitig unterstützen.

Euer dritter Mann im Bunde, Markus Pauli, ist nicht dabei?

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Flo: Für Pauli ist das nichts. Der ist richtig froh, dass wir das zu zweit machen. Der findet die Sendung gut, aber er selber will da nicht ins Spotlight. Dem reicht’s auf der Bühne.

Bei “The Voice Kids” müsst ihr auch Kinder bewerten. Es fliegen Kinder raus, es werden Kinder heulen…

Lukas: Hier wird sehr darauf geachtet, dass kein Kind mitmacht, weil die Eltern das mehr wollen als das Kind. Dafür gibt es ein sehr gut geschultes Team. Und wir sind auch keine Band, die das Familienleben nur von der superpositiven Heiteitei-Seite darstellt. Wir sind da ehrlich. Und wir finden, dass es im Leben auch dazu gehört, dass manchmal Sachen nicht funktionieren. Aber das wird hier alles sehr warm und umarmend kommuniziert, und die Kinder wissen von Anfang an, worauf sie sich eingelassen haben. Und wir wissen es ja auch.

Flo: Die Kinder werden hier nicht gedemütigt, wie das in manchen anderen Castingshows der Fall ist. Sie erfahren alle eine große Wertschätzung. Das Rausfliegen ist halt Teil des Spiels.

Beim “Supertalent" hättet ihr also nicht mitgemacht?

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Flo: Uns zieht’s gar nicht so sehr ins Fernsehen, “The Voice Kids” ist das einzige Format, das infrage kommt. Hier passt es halt wie Arsch auf Eimer.

Besteht nicht die Gefahr, dass es irgendwann einen Strömungsabriss gibt, wenn die jungen Fans euch entwachsen? Oder wachst ihr mit?

Lukas: Unser Ziel ist nicht, dass unser Publikum immer älter wird. Wir wollen nicht irgendwann nur noch die 16-Jährigen erreichen. Wir sind eine Kinder- und Familienband, weil das das Schönste ist, was wir uns vorstellen können. Und das soll auch so bleiben. Aber in zehn Jahren wird Pauli 50. Vielleicht müssen wir dann aufhören (lacht).

Flo: Vielleicht machen wir auch mal irgendwann eine Minitour, die dann “Elternabend” heißt und nur für die Erwachsenen ist. Und dann köpfen wir alle ein paar Flaschen und feiern eine Party. Wir können uns noch sehr vieles vorstellen.

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DEINE FREUNDE

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Die 2012 gegründete Band Deine Freunde besteht aus Florian “Flo” Sump, Erzieher in einer Hamburger Kinderstagesstätte und früherer Schlagzeuger der Popgruppe Echt, Markus Pauli, Musikproduzent und Live-DJ von Fettes Brot, sowie Lukas Nimscheck, einstiger “Tigerenten Club”-Moderator und Theaterproduktionsmanager. Das Trio hat inzwischen fünf HipHop-Alben für Jüngere veröffentlicht. Flo und Lukas sitzen ab dem 23. Februar in der Jury der achten Staffel der Sat.1-Musikshow “The Voice Kids”.

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