Sicherheitslücken in der 2. Liga

RTL schleust Reporterin bei Hansa Rostock ein: „Das ist hier der Nazi-Block“

Beim Spiel von Hansa Rostock gegen Paderborn werden Bengalo-Fackeln gezündet.

Rostock. Eine Bengalo-Fackel und 14 Böller – das war die magere Ausbeute bei Einlasskontrollen vor dem Skandalspiel zwischen Hansa Rostock und dem SC Paderborn. Das berichtet der TV-Sender RTL, der beim letzten Saisonspiel der 2. Liga im Ostseestadion eine Reporterin in den Ordnungsdienst eingeschleust hatte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Undercover-Reportage zeigte offensichtliche Sicherheitslücken in deutschen Fußball-Stadien und wie leicht es sein kann, verbotene Feuerwerkskörper in die Arenen zu schmuggeln.

Reporterin wurde ohne Vorkenntnisse als Ordnerin eingesetzt

Die RTL-Reporterin hatte sich inkognito auf eine Hansa-Stellenanzeige als Ordnerin beworben und kam kurzfristig zum Einsatz – ohne Vorkenntnisse oder einen eigentlich vorgeschriebenen Onlinetest. Den könne sie auch nachholen, hieß es.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ich bin echt überrascht, wie einfach das ging. Ich habe meine Jacke und direkt einen Schlüssel bekommen, der für total viele Tore passt. Da könnte ich auch jedem aufmachen, den ich reinlassen will“, sagt die Journalistin in dem RTL-Beitrag der Sendung „Extra“, der am Dienstagabend ausgestrahlt wurde.

Zu riskant: Ordner greifen bei Pyro-Vergehen nicht ein

Eingesetzt wurde sie beim Einlass im Nordbereich des Ostseestadions. Gut vorbereitet habe sie sich nicht gefühlt, so die Reporterin. Bei der Einweisung vor Ort erklärte ihr ein offenbar erfahrener Ordner-Kollege: „Das ist der gewalttätigste Bereich. Das ist hier der Nazi-Block.“

Als in der Schlussphase der Partie auf der Nordtribüne von Vermummten in weißen Maler-Overalls Bengalo-Fackeln gezündet wurden, griff der Ordnungsdienst nicht ein. „Wir gehen nicht rein und holen die nicht raus, weil das ein zu großes Risiko für uns ist“, erklärt ein Ordner der RTL-Reporterin.

Ultra: „Wenn wir wollen, kriegen wir alles ins Stadion rein“

Ein anonymer Ultra, dessen Vereinszugehörigkeit nicht erkennbar ist, liefert in dem TV-Beitrag einen Einblick, wie Pyrotechnik in die Stadien gelangt: „Das ist eigentlich gar nicht so schwierig, wie man vielleicht denken würde. Wenn wir das wollen, kriegen wir alles ins Stadion rein. Entweder sind wir einen Tag vorher da und positionieren ein paar Sachen oder wir haben unsere Damen dabei. Der Intimbereich bei Frauen darf bei der Sicherheitskontrolle nicht berührt werden.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RTL fragte bei Hansa nach, was der Verein gegen den Schmuggel unternimmt. Man greife „zum Beispiel auf eine Objektbewachung in den Tagen und Nächten vor gewissen Spielen, spezielle Durchsuchungen sensibler Stadionbereiche oder auch zweite Kontrolllinien im Bereich der Personenkontrollen zurück“, antwortete der Drittligist.

Fanforscher hält Pyro-Bann im Stadion für unwahrscheinlich

Der Berliner Fanforscher Jonas Gabler hält es „für unwahrscheinlich, dass es gelingt, Pyrotechnik komplett aus den Stadien zu verbannen. Theoretisch ist es möglich, aber dann müssen wir Sicherheitsvorkehrungen treffen wie an den Flughäfen.“

Der Text erschien zunächst bei der „Ostee-Zeitung“.

LVZ Inhalte als bevorzugte Quelle markieren — dann erscheinen unsere Artikel häufiger in Ihren Google-Schlagzeilen.Inhalte in den Google-Schlagzeilen bevorzugen?
Bevorzugen

Meistgelesen in Panorama