Einladungen verschickt: Was zur Krönung von König Charles III. und Queen Camilla bislang bekannt ist
London. Der Buckingham-Palast hat offiziell zur Krönung von König Charles III. (74) und seiner Gemahlin Camilla am 6. Mai eingeladen. Dabei bezeichnete der Palast die Ehefrau des britischen Königs erstmals offiziell als „Queen Camilla“. Gleichzeitig veröffentlichte der Palast ein neues Porträtfoto des Königspaares. „Ein neues Foto Ihrer Majestäten, des Königs und der Königin, das letzten Monat im Blauen Salon des Buckingham Palace aufgenommen wurde“, hieß es dazu. Bislang hatte der Palast die 75-Jährige „Queen Consort“ genannt. Die Einladungen, die am Dienstag enthüllt wurden, wurden an mehr als 2000 Menschen verschickt.
Der Titel ist ein weiterer Schritt in der bemerkenswerten Transformation einer Frau, die einst im Zusammenhang mit dem Scheitern der Ehe des heutigen Königs mit der verstorbenen Prinzessin Diana als Ehebrecherin verspottet wurde. Charles und Camilla lernten einander lange vor der Hochzeit des damaligen Prinzen von Wales mit Diana im Jahr 1981 kennen. Ihre Beziehung überdauerte die turbulente Ehe. Dies machte Camilla für viele Verehrer der beliebten Prinzessin zu einem Hassobjekt.
Die nun vom Palast als Königin bezeichnete Camilla hat jedoch weite Teile der britischen Öffentlichkeit für sich einnehmen können, seit sie Charles im Jahr 2005 heiratete. Die verstorbene Queen Elizabeth II. hatte im vergangenen Jahr erklärt, sie hoffe, dass Camilla mit Charles Antritt als König als „Queen Consort“ bekannt sei.
Noch einen Monat bis zur Krönung: Wer kommt (nicht), was passiert?
Für das Vereinigte Königreich ist die Krönung von König Charles III. und Queen Camilla in rund einem Monat ein nahezu sakraler Moment. Die Bedeutung: irgendwo zwischen Papstwahl und Mondlandung. Was ist bisher bekannt? Ein Überblick.
Einladung: Die Einladungen zu der Feier beinhalten das Motiv des „Grünen Mannes“, der in der britischen Folklore eine Rolle spielt und für den Frühling und die Wiedergeburt steht. Er soll die neue Herrschaft symbolisieren und auf den Einsatz von Charles III. für den Umweltschutz verweisen. Das von Andrew Jamieson entworfene Design erscheint entsprechend auch auf Karten aus recyceltem Papier. Das Originalkunstwerk für die Einladungen wurde mit Aquarell- und Gouache-Farben handgemalt.
Gäste: Zum zweiten Mal in acht Monaten steht die Westminster Abbey in London im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Zum Staatsbegräbnis von Queen Elizabeth II. im September 2022 versammelten sich Dutzende Staatschefs und gekrönte Häupter. Nun kommt fast die gleiche Schar zusammen, um ihren Sohn zu würdigen. Insgesamt sind rund 2000 Gäste geladen, bei Queen Elizabeth II. 1953 waren es noch mehr als 8000.
Doch es gibt eine prominente Ausnahme: US-Präsident Joe Biden wird nicht anreisen, wie die Zeitung „Washington Post“ berichtete. Stattdessen werde seine Ehefrau Jill Biden die US-Delegation anführen. Konservative in London empören sich bereits, der Staatschef zeige Charles die kalte Schulter. Doch die Historie zeigt: Bisher hat kein US-Präsident eine britische Krönung besucht. Aus Deutschland wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet, der zuletzt drei Tage Gastgeber für Charles und Camilla bei deren erfolgreichem Staatsbesuch in Berlin, Brandenburg und Hamburg war.
Prinz George und Camilla-Enkel werden zu Ehrenpagen
Familie: Spannend bleibt, ob Charles‘ jüngerer Sohn Prinz Harry und dessen Ehefrau Herzogin Meghan teilnehmen. Eingeladen sind sie, wie britische Medien betonen. Doch wegen schwerer Vorwürfe des Paares vor allem gegen Camilla und Thronfolger Prinz William, aber auch Charles selbst ist die Teilnahme völlig offen. Immer wieder wird betont, Harry und Meghan seien keine „working royals“ mehr, gehören also nicht zu den Repräsentanten. Als der 38-Jährige kürzlich in London weilte, soll er bei Freunden übernachtet haben, ein Treffen mit Vater Charles und Bruder William gab es demnach nicht. Die Krönung fällt auf den vierten Geburtstag von Harrys und Meghans Sohn Prinz Archie. Kommen sie dazu nicht aus ihrem Wohnsitz in Kalifornien in die alte Heimat, drohe ihrer Beziehung zur Royal Family ein „fataler, unumkehrbarer Schlag“, warnen konservative Kommentatoren in London.
Prinz George (9), Enkel von Charles und Sohn von Thronfolger Prinz William und seiner Frau Kate, wird bei der Krönung seines Großvaters Anfang Mai eine besondere Rolle zuteil. Gemeinsam mit drei Enkeln von Königsgemahlin Camilla – den Zwillingen Guy und Louis und Freddy (alle 13) – und vier weiteren Jungen aus dem Familien- und Freundeskreis des Paares wird George die Zeremonie als Ehrenpage – auf Englisch „Page of Honour“ – begleiten. Die Ehrenpagen sind Teil der Prozession und übernehmen verschiedene kleinere Aufgaben.
Einer der Ehrenpagen bei der Krönung von Queen Elizabeth II. vor 70 Jahren, der Duke von Devonshire, erzählte in einem Interview mit der Webseite Sotheby‘s von seinem damaligen Outfit – einem blassgelben Gehrock mit blauen Manschetten, weißen Seidenstrümpfen mit Strumpfband („von dem ich Angst hatte, dass meine Schulfreunde es entdecken würden“), schwarzen Pumps mit Absätzen und einem Degen am Gürtel. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ehrenpagen bei der Krönung von Charles (74) und Camilla (75) Anfang Mai in der Westminster Abbey eine ähnliche Bekleidung tragen werden.
Ablauf seit mehr als 1000 Jahren unverändert
Zeremonie: Die Krönung formalisiert die Rolle des Monarchen als Oberhaupt der Church of England und markiert die Übertragung von Titeln und Befugnissen. Kürzer, kleiner, moderner solle die religiöse Zeremonie werden, war bereits nach Charles‘ Amtsantritt zu hören. Zentrale Elemente aber bleiben, etwa die Salbung mit geweihtem Öl.
Der Ablauf ist seit mehr als 1000 Jahren unverändert, bei der Länge passt sich der König aber der Moderne an. Während die Krönung bei seiner Mutter 1953 drei Stunden dauerte, ist diesmal nur eine Stunde eingeplant. „Der Gottesdienst wird vom Erzbischof von Canterbury geleitet, wird die heutige Rolle des Monarchen widerspiegeln und in die Zukunft blicken, während er in langjährigen Traditionen und Prunk verwurzelt bleibt“, betont der Palast. Der Erzbischof – Justin Welby – ist das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche.
Feiern: Mit der Zeremonie in London sind die Feierlichkeiten lange nicht vorbei. Am Sonntag (7. Mai) sollen die Menschen zum „Coronation Big Lunch“ zusammenkommen, einem „großen Krönungsessen“. Landesweit sind Straßenfeste, Tee-Partys und andere Veranstaltungen geplant, die Menschen sollen sich in Clubs, Parks oder der Nachbarschaft treffen. Abends findet dann auf Schloss Windsor ein „Krönungskonzert“ statt, mit Stars und einem besonderen „Krönungschor“.
Unter dem Motto „Big Help“ (große Hilfe) wird die Bevölkerung dann am Montag (8. Mai) ermuntert, die Freiwilligenarbeit in ihren Gemeinden kennenzulernen. Schule oder Arbeit muss man dafür nicht schwänzen: Die Menschen im Vereinigten Königreich erhalten am Montag einmalig einen zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag – der auch die Gastronomie ankurbeln soll.
RND/nis mit dpa und AP