„Jeder ist dem Plan gefolgt“: Flick schwärmt nach Gala – Ancelotti ledert gegen Sorg
Dass eine Fußballmannschaft nach 42 Ligapartien ohne Niederlage mal wieder ein Spiel verliert, ist nur allzu menschlich. Dass das Real Madrid am Samstagabend ausgerechnet im spanischen El Clásico gegen den Erzrivalen FC Barcelona passierte - und das auch noch vor heimischen Publikum im Estadio Santiago Bernabéu - ist für den Hauptstadtklub indes maximal unangenehm. Wie ein Wirbelwind fegten die Katalanen in der zweiten Halbzeit über die Madrilenen hinweg und erzielten beim 4:0-Sieg alle vier Treffer in der zweiten Halbzeit.
Entsprechend ernüchternd ist die Stimmung aufseiten der „Königlichen“. Real-Trainer Carlo Ancelotti brachte es nach der herben Pleite auf den Punkt. „Es ist schmerzhaft, es ist ein harter und schwieriger Moment“, sagte der Italiener. Er war nach dem Treffer zum 4:0 durch Barcelonas Stürmer Raphinha zudem mit Marcus Sorg, dem deutschen Co-Trainer von Barca-Coach Hansi Flick, aneinander geraten. Ancelotti richtete mit erhobenem Zeigefinger einige deutliche Worte an Sorg, wie auf den TV-Bildern zu sehen ist. „Mit Flick gab es kein Problem … aber einer seiner Assistenten hat sich bei den Feierlichkeiten nicht wie ein Gentleman verhalten. Ich habe ihm das gesagt und Flick hat dem zugestimmt“, sagte der Italiener zu der Szene. Nach Raphinhas Tor war es zu Tumulten an der Seitenlinie gekommen. „Ich habe mit Carlo gesprochen, aber das ist eine normale Situation. Wir haben das Tor gefeiert“, sagte Flick. Die Nerven bei Real lagen dagegen blank.
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Zur vollständigen AnsichtGanz anders als im Madrider Lager ist die Gemütslage nach dem berauschenden Clásico naturgemäß bei den siegreichen Katalanen. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf das zweitplatzierte Madrid in La Liga mittlerweile. Zudem hat Barca die deutliche bessere Tordifferenz (+27 im Gegensatz zu +10.) vorzuweisen. Ex-Bundestrainer Flick schwärmte wie schon nach dem 4:1 unter der Woche im Champions-League-Topspiel gegen den FC Bayern von seinem Team: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft, das ganze Team hat einen außergewöhnlichen Job gemacht“, sagte der 59-Jährige: „Jeder ist dem Plan, den wir ausgearbeitet haben, gefolgt und hat 100 Prozent gegeben.“
Barcas Konterspiel aus dem Lehrbuch
Somit gehen die fußballerischen Feiertage beim FC Barcelona nach dem Bayern-Sieg einfach weiter. Selbst die schwere Verletzung von Kapitän, Stammkeeper und Nationaltorwart Marc-André ter Stegen, der noch monatelang ausfallen wird, stecken die „Blaugrana“ bravourös weg. Ersatztorhüter Inaki Pena präsentierte sich gegen Madrids Offensiv-Starensemble um Kylian Mbappé und Vinicius Junior in herausragender Verfassung. Dank seiner Paraden geriet Barca in der ersten Hälfte nicht in Rückstand.
All das, was die Katalanen dann im zweiten Durchgang auf den Platz brachten - vor allem in Sachen Konterspiel - war Extraklasse. Auch Ex-Bayern-Star Robert Lewandowski war mit zwei Treffern an der Barca-Party beteiligt. Die spanischen Medien kommen aus dem Schwärmen für die Flick-Elf gar nicht mehr raus. In der Marca etwa hieß es: „Barcelona hat das Santiago Bernabéu mit purem Fußball erobert, Real Madrid mit seiner Vorwärtsverteidigung, seiner taktischen Disziplin und seiner Überlegenheit in fast jeder Facette, einschließlich der körperlichen Leistung, aus dem Spiel genommen.“ Die Mundo Deportivo schrieb von Barcas „unendlichem Talent“.
Yamal offenbar rassistisch beleidigt
Jede Menge Talent hat auch Real Madrid vorzuweisen, auf den Platz brachten sie es am Samstagabend allerdings nicht. Für die „Königlichen“ geht es nun darum, die Wunden zu lecken. Ancelotti: „Die Saison ist lang, wir müssen uns nicht aufgeben und aus dieser Niederlage lernen.“ Unschöner Höhepunkt aus Madrider Sicht: Barca-Jungstar Lamine Yamal ist offenbar von Real-Anhängern rassistisch beleidigt worden. Das berichteten mehrere spanische Medien und beziehen sich dabei auf Videos in den sozialen Medien. Die Beleidigungen ereigneten sich demnach im Anschluss an das dritte Tor, als Europameister Yamal für die Vorentscheidung sorgte und den Treffer vor den Real-Fans bejubelte.
Es wird damit gerechnet, dass die Liga den Vorfall untersuchen wird. Zuletzt hatten die spanischen Fußball-Institutionen derartige Vorfälle härter sanktioniert, insbesondere nach den Vorfällen um Real-Profi Vinicius beim Spiel in Valencia im Mai 2023. Der Brasilianer war ebenfalls rassistisch beleidigt worden. Danach wurde der FC Valencia unter anderem mit einem Zuschauer-Teilausschluss von drei Spielen belegt. Ein spanisches Gericht verurteilte außerdem drei Fußballfans zu je acht Monaten Gefängnis.