Petersen über Bayern-Zeit: „War nicht mehr als ein Goldfisch im Haifischbecken“
Nils Petersen (35) hat vor gut einem Jahr seine Fußballer-Karriere beendet. Achteinhalb Jahre verbrachte er beim SC Freiburg und ist vor allem durch seine Tore als Einwechselspieler bekannt. Im Sportbuzzer-Interview erzählt er, was ihm sein Jokerrekord bedeutet und womit er sich aktuell beschäftigt.
Sportbuzzer: Hallo, Herr Petersen. An den ersten vier Bundesliga-Spieltagen der neuen Saison wurden 21 der 126 Tore von Jokern erzielt. Noch führen Sie die Bundesliga-Rekordliste mit 34 Jokertoren an. Danach kommen vier Bayern-Spieler, die auch alle schon aufgehört haben. Wissen Sie, wer der Bestplatzierte von den noch Aktiven ist?
Nils Petersen: Nein, das weiß ich nicht. Aber als ich neulich gelesen habe, dass Youssoufa Moukoko nach Nizza gewechselt ist, habe ich mir gedacht, dass das einer wäre, der mich einholen könnte, so oft wie der bei Dortmund reinkam und getroffen hat. Da geht das schnell. Mathys Tel vom FC Bayern mit seinen 19 Jahren ist auch solch ein Kandidat.
Die Auflösung: Julian Brandt ist Sechster der Rangliste. Auch ein Dortmunder. Der hat aber erst 15 Tore und Sie 34. Ihnen ist dieser Rekord aber offenbar nicht ganz egal?
Ich finde den Titel cool, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass er mir egal ist. Ein bisschen eitel sind wir ja alle. Ich liebe die Bundesliga, bin ein totales Bundesliga-Kind. Und wenn man da in irgendeiner Statistik führt, ist das ein erhabenes Gefühl.
Wo treffen wir Sie eigentlich gerade an?
Ich bin in Bremen, weil ich gerade bei Werder hospitiere. Ich habe eben Feierabend gemacht und treffe mich gleich mit Clemens Fritz (Werder-Geschäftsführer, Anm. d. Red.) zum Abendessen.
Ist die Hospitation Teil Ihres Studiums?
Nein, das ist freiwillig. Ich kenne Clemens schon lange. Wir schätzen uns sehr, und da kam die Idee, dass ich ihm mal über die Schulter schauen könnte. Das eine ist die Praxis und das andere ist die Theorie. Und die bekomme ich in meinem Sportmanagement-Kompaktstudium in St. Gallen.
Mit Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt – wie man auf einem Gruppenfoto sieht, das Sie bei Instagram gepostet haben.
Ja, der ist dabei – wie auch noch andere Ex-Profis.
Werder ist einer Ihrer Ex-Vereine. Wie beurteilen Sie die Lage aktuell dort?
Der Verein lebt von seiner Geschichte. Aber mittlerweile weiß auch jeder Fan, dass diese goldene Zeit vorbei ist. Wichtig war, dass sie nach dem Abstieg schnell zurückgekommen sind. Und jetzt hat man wieder Spieler, mit denen man sich identifizieren kann, wie Ducksch oder Weiser. Zuletzt sind sie Neunter geworden – genau da sehe ich Werder auch.
Wie sieht‘s mit Bayern München aus, wo Sie ein Jahr waren?
Meine Frau ist immer sauer, dass ich noch Bayern-Fan bin (lacht). Aber ansonsten verbinde ich mit dem Verein von all meinen Stationen am wenigsten. Ich war dort nicht mehr als ein Goldfisch im Haifischbecken.
Energie Cottbus? Zurück in der 3. Liga ...
Super! Da ist der Verein auch gut aufgehoben. Und vor 12.000 Zuschauern gegen Aachen ist schon geiler als vor 2500 gegen Altglienicke – nicht despektierlich gemeint. Ich war neulich mal wieder dort und habe mich sehr gefreut, wie viele Leute mich noch erkannt haben.
Und wie geht‘s Ihrer großen Liebe – dem SC Freiburg – im ersten Jahr nach Christian Streich?
Total gut! Manchmal tut einem das fast ein bisschen leid. Das habe ich vor einem Jahr selbst erfahren. Man ist nicht mehr da, und der Verein läuft einfach ohne dich weiter. Mit Julian Schuster wurde eine super Lösung gefunden. Die Ergebnisse stimmen, die Spielweise ist ansehnlich, und der SC ist finanziell wahnsinnig gesund. Es ist unglaublich gut, wie der Verein gewachsen ist. Als ich 2015 gekommen bin, hatten wir 7000 Mitglieder. Heute sind es fast 70.000. Und du könntest jedes Spiel doppelt ausverkaufen. Der Verein ist schon sehr besonders. Früher hat jeder Freiburg gemocht, mittlerweile haben wir sogar Neider.
Sie haben aber nicht nur Ex-Klubs, sondern auch einen aktuellen. Den Blankenburger FV in der Landesliga Sachsen-Anhalt. Fünf Tore haben Sie letzte Saison erzielt.
Ja, wenn es nach meinem besten Freund und Spielertrainer Christoph Pinta geht, bin ich zu selten da. Aber: 600 Kilometer für eine Tour ...
Erkennen die Gegenspieler Sie denn?
(schmunzelt) Ich hoffe, dass die im Spiel merken, dass der mal höher gespielt hat. Auch wenn ich keinem weglaufe, das bin ich noch nie. Ich habe das Niveau dort echt unterschätzt. Da sind gute Kicker dabei.