„Das war einmalig“: Fans geben Takt bei Derbysieg der L.E. Volleys gegen Delitzsch vor
Leipzig. „Ohne Delitzsch wär’ hier gar nichts los“, hallte es am Samstagabend durch die Sporthalle Brüderstraße. Da lagen die Gymnasialen aus der Loberstadt nach den zwei verlorenen ersten Sätzen auch im dritten Durchgang schon quasi uneinholbar hinten und es war einigermaßen egal. Natürlich traf der Gesang nicht annähernd den Punkt, da auch die Leipziger Fans ordentlich Stimmung machten. Dennoch beschrieb der Spruch die Atmosphäre beim Derby zwischen den L.E. Volleys und dem GSVE Delitzsch, das die Leipziger schließlich verdient mit 3:0 (25:22, 25:22, 25:12) für sich entschieden, gut. Denn beim immer jungen Duell beider Teams standen die 850 Zuschauerinnen und Zuschauer ordentlich im Mittelpunkt.
Dabei sei es unfassbar, wie viele Delitzscher mit nach Leipzig gekommen seien, so GSVE-Trainer Benedikt Bauer. Von der Zahl her waren die Fans der Gymnasialen leicht in der Unterzahl. In Sachen Lautstärke machten sie es mit ihren Trommeln und den „Delitzsch, Delitzsch“-Rufen locker wett. „Das war einmalig“, betonte Bauer. Da wäre wenigstens ein Satzgewinn schon die Kirsche auf der Torte gewesen.
GSVE belohnt sich nicht für zwei gute Sätze
In den ersten beiden Sätzen agierten beide Teams auf Augenhöhe. Dabei konnten die Gäste auch jeweils kurzzeitig führen, brachten dies aber nicht ins Ziel. Im dritten Abschnitt seien seine Spieler dann am Ende zu platt gewesen, erklärte Bauer. So kam der klare Satzgewinn zustande, bei dem die Leipziger den ersten von zwölf Matchbällen auch direkt verwandelten. „Eine große Ernüchterung, weil wir zwei Sätze gut gespielt haben, aber uns dafür nicht belohnen konnten“, meinte Bauer. „Das Spiel war nicht so deutlich, wie es das 3:0 ausdrückt.“ Trotz des letzten Tabellenplatzes und noch null Punkten werden die Gymnasialen aber nicht aufgeben, wie der Trainer unterstrich.
Freude herrschte auf Seiten der Gastgeber. „3:0 zu gewinnen war das, was wir uns vorgenommen hatten“, resümierte Volleys-Coach Jan Pretscheck. Für seine Jungs war es bereits der dritte klare Erfolg in Serie. „Davon lassen wir uns aber genauso wenig blenden, wie wir uns von den Niederlagen zu Beginn der Saison haben blenden lassen“, betonte der Trainer. Im Wissen, dass man gegen den Tabellenletzten vom Lober das stärkere Team sein würde, sei es vor allem wichtig gewesen, konzentriert zu bleiben und die eigene Fehlerquote gering zu halten. Das klappte nur bedingt, weswegen Pretscheck trotz des deutlichen Sieges nicht vollends zufrieden war.
Ex-Delitzscher Karl mit eigenem Fanclub
Seinen eigenen „Fanclub“ brachte derweil Robert Karl mit in die Brüderhalle. Der Mittelblocker der Volleys, der bis zum Sommer elf Jahre beim GSVE verbracht hatte, arbeitet als Lehrer am Leipziger Ostwald-Gymnasium und wurde von seiner Volleyball-AG persönlich angefeuert. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so emotional für mich wird“, erklärte „Karli“ nach der Partie. Wie in seinen besten Delitzscher Zeiten machte der 33-Jährige am Mittelblock die Punkte und wurde dafür auch von den GSVE-Fans gefeiert.
Nach der Partie bekam Karl von einem Delitzscher Fan noch einen „Anti-L.E“-Sticker auf den Rücken geklebt, musste aber vor allem viele alte Bekannte umarmen. Die Wette mit einem jungen Teamkollegen, dass mehr als 500 Zuschauer kommen würden, gewann der langjährige Delitzscher locker. Für ihn und die anderen Leipziger – und auch einige Delitzscher – ging es nach dem Duell weiter zu einer After-Derby-Party ins Werk 2.
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Am nächsten Sonnabend treten Karl und Co. beim Tabellenvorletzten Barock Volleys Ludwigsburg an und könnten mit einem weiteren klaren Erfolg den nächsten Schritt Richtung oberes Drittel der 2. Bundesliga Süd machen. Die Gymnasialen behalten dagegen punktlos die rote Laterne und haben am nächsten Sonnabend den TSV Mimmenhausen zu Hause vor der Brust. Es sieht derzeit stark nach dem zweiten Abstieg für den GSVE aus – die Derbys würden in der nächsten Saison auf jeden Fall fehlen.
LVZ