Anschuldigungen gegen Ex-HSV-Sportvorstand: Das ist Stefan Kuntz
Hamburg. Eric Huwer wollte selbstbewusst wirken, als er sich zum Start ins Jahr 2026 aus der Deckung wagte. Der Finanzvorstand des Hamburger SV schrieb bei Instagram: „Das schönste Gesicht des HSV sind wir.“ Und eben nicht das von Stefan Kuntz. Der Sportvorstand, mit dem die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga gelungen war, hatte überraschend zum 31. Dezember 2025 seinen Vertrag aufgelöst. Offiziell wurden „familiäre Gründe“ angeführt.
Am vergangenen Sonntag hatte dann die „Bild“-Zeitung berichtet, dass Anschuldigungen der sexuellen Belästigung gegen den 63-Jährigen vorliegen. Kuntz widersprach via Instagram: „Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!“, schrieb er. Der Aufsichtsrat der Hanseaten äußerte seinerseits in einer Stellungnahme, „dass die Vorwürfe glaubhaft sind“.
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Zur vollständigen AnsichtMit Verwerfungen also endete ein anderthalb Jahre lang sportlich erfolgreiches Kapitel. In der Karriere des Stefan Kuntz sind die Umstände des Abschieds vom HSV die dunkelste und kontroverseste Stunde.
Als Spieler war der gebürtige Saarländer ein Vollstrecker. Als Torschützenkönig in der Oberliga bei seinem Heimatverein Borussia Neunkirchen entdeckte ihn 1983 der VfL Bochum. Drei Jahre später wurde Kuntz erster Torschützenkönig des Revierklubs in der Bundesliga. Über Bayer Uerdingen (1986 bis 1989) zog es ihn in die Pfalz, wo er beim 1. FC Kaiserslautern die erfolgreichste Zeit im Vereinsfußball erlebte.
Kuntz und seine „große Heimatstadt“ Kaiserslautern
Kaiserslautern sei für ihn „schon immer die große Heimatstadt“ gewesen, sagte er einmal, weil seine Eltern dort geboren wurden. Der ausgebildete Polizist holte 1990 mit dem FCK den DFB-Pokal und 1991 den Meistertitel. 1994 gelang erneut der Gewinn der Torjägerkanone. Seine Treffer feierte er oft mit einem Jubel, der Kultstatus als „Kuntz-Säge“ erhielt.
Mit Verzögerung sägte Kuntz auch in der Nationalelf. Im September 1991 sollte er debütieren, fiel aber verletzt aus. Kuntz verpasste das Spiel gegen England – im Wembley-Stadion. Erst im Dezember 1993 lief er erstmals im Trikot der A-Nationalmannschaft auf. Mit der DFB-Auswahl gewann er 1996 die Europameisterschaft – in Wembley.
Im EM-Halbfinale gegen Gastgeber England schoss der Stürmer, seinerzeit bei Besiktas Istanbul aktiv, das 1:1. Ein Jahr nach dem Triumph absolvierte Kuntz sein 25. und letztes Länderspiel; er verließ das DFB-Team ohne Niederlage und mit insgesamt sechs Toren. Auf Klubebene spielte er nach der EM zwei Jahre für Arminia Bielefeld, ehe er für ein Jahr zum VfL Bochum zurückkehrte.
Als Trainer und Manager mit wenig Höhen und vielen Tiefen
Als Trainer arbeitete Kuntz anschließend im Geburtsort Neunkirchen und beim Karlsruher SC erfolgreich, doch auf den folgenden Stationen bei Waldhof Mannheim und LR Ahlen lief es schlecht. Er entschied sich für eine Auszeit – und ein Sportmanagement-Studium. Als Funktionär holte ihn 2008 der finanziell schwer gezeichnete Herzensklub FCK.
Trotz gelungener Bundesliga-Rückkehr 2010 ging es schnell bergab. Zwei Jahre später stiegen die „Roten Teufel“ ab. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, wieder aufzusteigen, gab es wirtschaftliche Probleme. Im Frühjahr 2016 stand Kuntz‘ Abschied fest, letztlich wurde er in der laufenden Saison geschasst.
„Alles, was den FCK betraf, habe ich persönlich genommen. Das war viel zu emotional.“
Stefan Kuntz
Ex-Fußballprofi
Erfolge mit der U21-Nationalmannschaft
„Es wurde ja oft diese Alleinherrscher-Nummer gemacht“, sagte Kuntz in einer SWR-Doku über den FCK mit fast einer Dekade Abstand: „Alles, was den FCK betraf, habe ich persönlich genommen. Das war viel zu emotional. Ich habe sehr oft nicht souverän agiert.“
So zog es ihn wieder auf die Trainerbank – mit Erfolg: Von 2016 bis 2021 betreute er die deutsche U21-Nationalelf, zweimal (2017 und 2021) führte Kuntz den DFB-Nachwuchs zum EM-Titel. Dass er nicht als Nachfolger von Joachim Löw als Bundestrainer berücksichtigt wurde, hatte bei ihm großes Unverständnis ausgelöst.
Stattdessen ging es für Kuntz, der zuvor auch TV-Experte war, 2021 als Nationaltrainer in die Türkei. Zwei Jahre später musste der Ex-Torjäger nach 20 Länderspielen gehen. Ende Mai 2024 stellte ihn der HSV als Nachfolger von Jonas Boldt vor; mit der Rückkehr des Ex-Bundesliga-Dinos war er das Gesicht des jüngsten Erfolgs – bis jetzt.