„Verzweiflung bei vielen Betrieben wächst“

Die Inflation sinkt, die Reallöhne steigen – aber die Konjunktursorgen wachsen

Insbesondere die Bauwirtschaft schwächelt.

Zumindest die Inflation lässt nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts eindeutig nach: Verglichen mit dem Vorjahres­monat waren Einkäufe im November durchschnittlich 3,2 Prozent teurer, im Oktober waren es noch 3,8 Prozent gewesen. Dämpfend hätten die Energie­preise gewirkt, sie sind demnach um 4,5 Prozent gesunken – während sich Nahrungs­mittel im Jahresvergleich um 5,5 Prozent verteuerten. Auch diese Lebensmittel­inflation nimmt indes stetig ab, im August hatte sie noch bei 9 Prozent gelegen.

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Die sich abschwächende Teuerung macht sich dem Bundesamt zufolge auch im Geldbeutel von Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmern bemerkbar: Verglichen mit dem Vorjahres­quartal stiegen die Reallöhne zwischen Juli und September um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls am Mittwoch mitteilte. Es war das zweite Quartal in Folge, in dem nominale Lohn­steigerungen die Inflation überkompensierten. Jüngste Reallohn­verluste sind damit noch nicht ansatzweise ausgeglichen, 2022 waren die Entgelte um reale 4 Prozent gesunken.

Inflation sinkt weiter

Sowohl bei der Inflation als auch bei den Reallöhnen gingen die meisten Fachleute am Mittwoch davon aus, dass sich der Trend in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Bei der Inflation könnten statistische Sonder­effekte für Ausreißer sorgen: Im Vergleichs­monat Dezember 2022 hatte der Gaskosten­abschlag die Inflation gedrückt. Wegen des Basiseffekts dürfte sie diesen Dezember deshalb noch einmal die 4-Prozent-Marke knacken, erwartet Timo Wollmers­häuser, Konjunktur­chef beim Münchner Ifo-Institut.

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„Aber bereits zu Beginn des kommenden Jahres wird die Inflations­rate auf unter 3 Prozent sinken“, zeigte sich Wollmers­häuser zugleich überzeugt. Ein Risiko ist für Sebastian Dullien indes die Haushalts­krise, derentwegen Hilfs­maßnahmen im Januar wegfallen könnten: „Insgesamt könnten die Mehrwertsteuer­änderung bei Energie und der Wegfall der Preisbremsen die Inflation um einen halben Prozent­punkt erhöhen“, warnte der Direktor des gewerkschafts­nahen Instituts für Makro­ökonomie und Konjunktur­forschung (IMK).

Konjunkturbarometer negativ

Insgesamt zeichnet sich aber ab, dass das Abklingen des Energiepreis­schocks und die hohen Leitzinsen die Inflation bremsen. Insbesondere Letztere haben auch Neben­wirkungen: Das Konjunktur­barometer des Deutschen Instituts für Wirtschafts­forschung (DIW) hat sich erneut eingetrübt. „Die hohen Zinsen und nur allmählich zulegende Reallöhne belasten die deutsche Wirtschaft“, sagte Timm Bönke, Co-Prognosechef des Berliner Instituts. Der Außenhandel könne das nicht kompensieren, die potenzielle Zuspitzung im Nahen Osten verschärfe geopolitische Unsicherheiten zusätzlich.

„Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in eine Schieflage“, fürchtet auch der Präsident der Deutschen Industrie- und Handels­kammer (DIHK), Peter Adrian. Strukturelle Heraus­forderungen würden durch die schlechte Konjunktur verstärkt – und nun kämen auch noch die Haushalts­probleme hinzu. „Der Frust und immer öfter auch die Verzweiflung bei vielen Betrieben wachsen – und die Verlagerung von industrieller Produktion ins Ausland nimmt zu“, warnte Adrian gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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Die Politik könne das nur ändern, indem sie die aktuelle Krise als Anlass begreife, um versprochene Reformen zum Abbau von Vorschriften und Bürokratie umzusetzen, so der DIHK-Chef weiter. „So schwierig die aktuelle Lage auch ist, sie bietet ein Momentum, jetzt die Zeitenwende in der Wirtschafts- und Standort­politik einzuläuten.“

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