Die aktuelle Konjunkturdelle ist nicht einmal das Hauptproblem
Vor einem Jahr haben die ranghöchsten Beraterinnen und Berater der Bundesregierung noch ordentlich ausgeteilt: Robert Habeck schrieben die sogenannten Wirtschaftsweisen ins Stammbuch, dass der Atomausstieg während einer Energiekrise vielleicht nicht die beste Idee sei. Und Christian Lindner erklärten sie, dass von ihm abgelehnte Steuererhöhungen für Wohlhabende durchaus die Inflation bremsen könnten.
Verglichen damit ist das diesjährige Gutachten zurückhaltend: Natürlich besteht Handlungsbedarf bei den Energiekosten, doch den Fachleuten ist das nur einen Absatz wert. Bezüglich der Schuldenbremse, deren Aussetzung die SPD-Spitze nun fordert, bleiben sie ebenfalls uneindeutig. Und auch die mögliche Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie erwähnen sie nicht.
Der demografische Wandel macht sich bemerkbar
Stattdessen betonen Ökonominnen und Ökonomen, was offensichtlich ist, aber im alltäglichen Gebrüll oft keine Rolle spielt: Die momentan maue Konjunktur ist hauptsächlich den Nachwirkungen der globalen Zinswende geschuldet, welche eine Reaktion auf Energiekrise und Inflation war. Die aktuelle Konjunkturdelle ist deshalb so unangenehm wie erwartbar, vor allem aber nicht von Dauer.
Nahezu von Dauer ist hingegen der demografische Wandel, der mittlerweile wirklich auf die Wirtschaftsleistung drückt. Das wird sich in den kommenden Jahrzehnten eher verschlimmern als verbessern und geht doch im politischen Tagesgeschäft oft unter. Die Wirtschaftsweisen haben mögliche Antworten nun auf die Tagesordnung gehoben. Ob darauf etwas folgt, bleibt abzuwarten: Die Empfehlungen aus dem Vorjahr wurden in der Politik weitgehend ignoriert.