Kolumne „Auf der Couch“

Wie Selbstmitgefühl das emotionale Wohlbefinden steigern kann

Eine Frau formt mit ihren Händen ein Herz.

In unserer hektischen Welt, in der der Druck, erfolgreich zu sein, den Erwartungen anderer gerecht zu werden und Anerkennung zu erlangen, allgegenwärtig ist, vergessen wir oft das Wichtigste: uns selbst zu lieben. Selbstmitgefühl ist kein Luxus, sondern eine Grundlage für ein erfülltes und gesundes Leben. Die Forschung zeigt, dass Selbstmitgefühl nicht nur das emotionale Wohlbefinden steigert, sondern auch mit geringerem Stress, höherer Lebenszufriedenheit und besserer psychischer Gesundheit einhergeht.

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Kristin Neff, Professorin für Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung an der University of Texas, definiert Selbstmitgefühl als das bewusste Erleben von Mitgefühl in Momenten des Leidens. Es setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen: Erstens Freundlichkeit sich selbst gegenüber. Dabei geht es um die Begegnung mit unseren „Fehlern“ und vermeintlichen Schwächen, mit Güte, Verständnis und Ermutigung.

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Manches Mal gehen wir hart mit uns ins Gericht

Die zweite Komponente lautet: Menschlichkeit im gemeinsamen Leiden. Wenn wir uns bewusst sind, dass alle Menschen leiden, fühlen wir uns weniger isoliert. Der dritte Aspekt bezieht sich auf Achtsamkeit und Akzeptanz, also das bewusste Erkennen und Annehmen von schmerzhaften Gefühlen, ohne uns davon überwältigen zu lassen.

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So manches Mal gehen wir hart mit uns ins Gericht und beschimpfen uns: „Wie konnte ich mich nur so ungeschickt anstellen!“ Die emotionale Begleitmusik klingt nach Selbstabwertung, Scham oder Frust. Doch genau genommen entscheiden wir uns immer für das Beste, was wir in jedem Moment in der Lage sind zu tun, machen also eigentlich nichts falsch.

Handlungsstrategien stark beeinflusst von Lebensgeschichte

Wenn wir es im jeweiligen Moment hätten besser machen können, hätten wir es zweifelsfrei gemacht. Denn wer entscheidet sich schon für die zweitbeste Entscheidung? Was ist der Maßstab dafür? Nun, der Maßstab ist das Ausmaß des Wohlgefühls, was mit der Handlung oder mit dem, was man sagt, einhergeht. Unser Wohlgefühl wird bestimmt von der Höhe unserer Bedürfniserfüllung. Angenehme Gefühle stehen in Verbindung mit erfüllten Bedürfnissen und unangenehme Gefühle mit unerfüllten Bedürfnissen.

Doch in der Praxis gibt es Hindernisse, die der Entwicklung des Wohlgefühls im Wege stehen können. Zum einen wäre da zu nennen, dass unsere Handlungsstrategien stark beeinflusst sind von unserer Lebensgeschichte und zum anderen durch Gewohnheiten. Oder durch unser unbewusstes Verhalten, also durch unser Tun im Automatikmodus.

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Mehr Bewusstsein an den Tag legen

Im Moment der Handlung glauben wir, dass es das Beste ist, was wir tun können. Wann kommt der Gedanke eines vermeintlichen Fehlverhaltens auf? Nachdem eine gewisse Zeit ins Land gegangen ist, wenn wir mit Reaktionen von außen konfrontiert werden oder wenn wir neue Erfahrungen gemacht haben. Also im Nachhinein.

Wie können wir damit umgehen? Indem wir aus der Erfahrung lernen. Man könnte sich vornehmen, mehr Bewusstheit an den Tag zu legen. Damit sind wir beim Thema Achtsamkeit. Sie ermöglicht es, eigene Bedürfnisse zu erkennen und darauf einzugehen. Indem wir bewusst für uns selbst sorgen und uns Zeit für Regeneration gönnen, stärken wir unser Selbstmitgefühl und fördern unser Wohlbefinden.

Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Der Autor ist zu erreichen unter www.achtsamkeit-und-co.de.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Expertinnen und Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

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