Krebs-Forschung: HP-Viren sind schlimmer als gedacht − aber es gibt Hoffnung
Leipzig. Humane Papillomviren (HPV) sind weltweit verbreitet; 85 bis 90 Prozent aller sexuell aktiven Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens damit an. Dass die Viren Krebs auslösen können, ist schon länger bekannt. Bislang ging man davon aus, dass HP-Viren für etwa 40 Prozent aller Rachenkrebs-Fälle in Deutschland verantwortlich sind. Eine Studie unter Leipziger Führung zeigt nun: Der Anteil hat mittlerweile 70 Prozent erreicht.
An der Adrisk-Studie sind bundesweit 16 Zentren beteiligt. Mit der Arbeit wurde der Nutzen von neuen immunstimulierenden Medikamenten in Ergänzung zum bisherigen Behandlungsstandard bei weit fortgeschrittenen Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs mit schlechter Prognose untersucht. Die ersten Studienergebnisse sorgen für Aufsehen; sie wurden kürzlich auf einem Fachkongress in Berlin präsentiert.
Hohe Überlebensrate
Beeindruckendes Ergebnis: Patienten mit weit fortgeschrittenen Tumoren, die mit einem bestimmten HP-Virus zu tun haben, haben zu fast 95 Prozent drei Jahre mit der geprüften Therapie überlebt, erklärt Professor Andreas Dietz, Studienleiter und Direktor der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Uniklinikum Leipzig.
Ganz anders stellt sich das Drei-Jahres-Überleben bei Patienten mit Tumoren dar, die nicht mit HP-Viren in Verbindung stehen. Hier liegt die Quote bei 66 Prozent. „Die ergänzende Immuntherapie zeigte zwar numerisch bessere Ergebnisse, war aber statistisch nicht gegenüber der Standardtherapie überlegen“, so Dietz.
Die Studie soll in einem hochrangigen Journal für Krebsforschung publiziert werden.
LVZ