LVB: Stau führte zu Straßenbahn-Unfall in Leipzig
Leipzig. Ein Fahrfehler war wahrscheinlich die Ursache für den Unfall zwischen zwei Straßenbahnen am Samstagabend vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Ausgelöst wurde die Kollision, bei der es keine Verletzten gab, nach bisherigen Erkenntnissen durch eine "unübersichtliche Verkehrssituation" auf dem Innenstadtring. Wie die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) am Montag auf Nachfrage von LVZ.de mitteilten, fuhren die aus unterschiedlichen Richtungen kommenden Bahnen auf dasselbe Gleis zu – und stießen am Knotenpunkt zusammen.
Autos blockierten Gleise der Straßenbahn
LVB-Sprecher Marc Backhaus, der nach dem Unfall selbst vor Ort war, skizziert das Unfallgeschehen als Verkettung unglücklicher Umstände. Der Fahrtweg der Linie 9, die aus der Kurt-Schumacher-Straße kam, sei an der Kreuzung zum Willy-Brandt-Platz wegen eines Rückstaus mit Autos blockiert gewesen. Die Bahn konnte die Kreuzung daher nur schrittweise überqueren. Auf der Zufahrt zum Goerdelerring krachte das Fahrzeug seitlich in eine vom Hauptbahnhof kommende Tram der Linie 12. Beide Bahnen sollen laut Backhaus freies Fahrtsignal gehabt haben. Ob eine versperrte Sicht oder ein Vorfahrtsfehler eine Rolle spielten, werde noch untersucht.
Bei den Fahrern habe es sich nicht um neue Mitarbeiter, sondern erfahrene Kollegen gehandelt, betonten die LVB. In der Vorweihnachtszeit – vor allem am Wochenende – gelte die Fahrt durch die Innenstadt jedoch aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens als sehr anspruchsvoll. Der Kreuzungsbereich zwischen Hauptbahnhof und Gerberstraße ist bereits seit Monaten als Problemstelle bekannt. Immer wieder kommt es aufgrund der überfüllten Parkhaus-Einfahrt zu den Höfen am Brühl zu langen Staus. Während des Weihnachtsmarkts befindet sich hier zudem die einzige Zufahrtsmöglichkeit zur nördlichen City. Lange Fahrzeugkolonnen an der Kreuzung gehören derzeit zum täglichen Bild.
Schaden von mehr als 10.000 Euro
Auch am Samstag soll es bereits den gesamten Tag über Stau an dieser Stelle gegeben haben. Da die voll besetzten Straßenbahnen mit geringem Tempo unterwegs waren, gab es glücklicherweise keine Verletzten. Bei dem Zusammenstoß sprangen jedoch die Drehgestelle der Bahnen aus den Gleisen. Die Fahrzeuge mussten von Spezialkräften der LVB wieder auf die Schienen gehoben werden und kamen anschließend in die Werkstatt. Nach LVB-Angaben entstand ein Schaden im fünfstelligen Bereich. Die Schuldfrage müssten nun die weiteren Ermittlungen klären, so Backhaus. Ein technischer Defekt als Ursache könne aber ausgeschlossen werden.
Von Robert Nößler
LVZ