Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden: Bekamen die Remmos Insider-Tipps?
Dresden. Fünf Jahre nach dem Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden nennt Kriminaloberrat Olaf Richter, Chef der Soko „Epaulette“, erstmals Details zu den Ermittlungen. In der neuen MDR-Reportage „Exakt – Die Story“, die ab sofort in der ARD Mediathek und bei YouTube verfügbar ist, schildert Richter, wie seine Einheit den Dieben auf die Spur kam und welche Herausforderungen sie meistern musste.
Im gleichzeitig erschienen Interview geht Richter auch auf die Theorie ein, dass die Täter des Berliner Remmo-Clans Insider-Informationen bekommen haben müssen. „Es ist einfach für mich und auch für die Kollegen schwer vorstellbar, dass eine Familie Remmo vor der Landkarte steht und sagt: ‚Morgen ist Dresden dran.‘ Irgendwie muss es aus meiner Sicht da einen Hinweis oder irgendetwas gegeben haben“, sagt Richter.
Der Chefermittler bezieht sich dabei vor allem auf Informationen zur Einstiegsstelle beim Einbruch. „Wo der Scanner angebracht ist, ist eben diese Ecke nicht ausgeleuchtet gewesen. Die ist nicht überwacht gewesen mit dem Scanner. Auch das bestärkt jetzt wieder in Richtung Insider. Das muss man wissen, das sieht man ja nicht.“
Einbruch ins Grüne Gewölbe: Ein aufsehenerregender Coup
Insgesamt 21 wertvolle Schmuckstücke, darunter die berühmte Epaulette mit dem Sächsischen Weißen, entwendeten die Täter. Die Soko „Epaulette“ wurde gegründet, um diesen kriminellen Akt aufzuklären. Richter beschreibt die Mammutaufgabe, die sich seiner Truppe stellte, und wie sie sich schrittweise dem Berliner Remmo-Clan näherten, der hinter dem Einbruch steckte.
Die absolute Gewissheit habe man nach DNA-Spuren gehabt, die an der Innenseite des Mauerstückes in der Nähe des Einstiegsfensters am Residenzschloss gefunden wurden. Sie seien Grundlage gewesen unter anderem für den Haftbefehl und für die folgenden Einsatzmaßnahmen. Bei der Festnahme seien 1.600 Einsatzkräfte zunächst nach Potsdam gebeten worden unter dem Vorwand eines Einsatzes zum Kriegswaffenkontrollgesetz. „In der Nacht, in den frühen Morgenstunden des eigentlichen Einsatztages wurde gesagt, wo es hingeht, so Richter.
Die Ermittler konnten schließlich fünf der sechs Haupttäter fassen, die sich aufgrund der erdrückenden Beweise auf einen Deal einließen und einen Teil der Beute zurückgaben. In der Reportage kommen auch die Verteidiger eines Täters zu Wort, die Einblicke in die komplexen Verhandlungen zur Beuterückgabe geben.
Ungewisse Zukunft der vermissten Schmuckstücke
Ebenfalls exklusiv berichtet in der Doku ein Mann über den Brand in einer Dresdner Tiefgarage. Als die Diebe dort eines ihrer Tatfahrzeuge anzündeten, schlief er ahnungslos in der Wohnung darüber. Seine Frau und er erlitten eine Rauchgasvergiftung.
Diese besonders schwere Brandstiftung hätte die Täter für viele Jahre hinter Gitter bringen können, erhöhte damit den Druck auf sie und begünstigte die Beuterückgabe. „Man hat in der Untersuchungshaft gemerkt, dass es darauf hinausläuft, dass eben auch diese schwere Brandstiftung in der Kötzschenbroder Straße im Urteil Berücksichtigung findet“, sagt Richter. Man habe in den überwachten Gesprächen gemerkt, da sei schon ein bisschen Druck in Richtung Familie aufgebaut worden. Man wolle keinesfalls ewig hinter Gitter verschwinden.
Richter verteidigt in dem Zusammenhang den Deal mit den Tätern. „Irgendwann sind die Mittel erschöpft.“ Ohne Deal hätte man diese 80, 85 Prozent nicht wiedererlangt. „Und in 100 Jahren ist es egal, ob jetzt der eine vier Jahre und... oder acht Jahre gesessen hat. Hauptsache, es ist irgendetwas wieder vorhanden. Das ist, denke ich, die Prämisse“, so Richter.
Obwohl ein Teil der Beute zurückgegeben wurde, bleiben drei der wertvollsten Stücke, darunter die ikonische Epaulette, weiterhin verschwunden.
Richter hat die Hoffnung nicht aufgegeben, weitere Stücke zu finden. „Es kann durchaus sein, dass große Teile, große Steine - der Sächsische Weißer oder Ähnliches - einzeln umgearbeitet wurden. Es kann sein, dass es irgendwo bei einem Sammler für viel Geld liegt“, sagt er. „Aber das Wahrscheinlichste ist, so aus meinem Gefühl heraus, das ist noch irgendwo deponiert. Also, ich hoffe zumindest, dass es noch nicht weiter zerlegt ist.“
Die Reportage „Exakt – Die Story“ ist ab sofort in der ARD Mediathek und bei YouTube verfügbar und wird am Mittwoch, dem 20. November 2024, um 20:45 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt.