Der Block-Entführungsfall: die Chronologie der Ereignisse
Am 11. Juli 2025 beginnt vor dem Landgericht Hamburg ein aufsehenerregender Prozess: Die Unternehmerin Christina Block und ihr Lebensgefährte, der frühere ARD-Moderator Gerhard Delling, stehen wegen des Vorwurfs der Kindesentziehung vor Gericht. Es geht um einen Sorgerechtsstreit, der in eine gewaltsame Entführung mündete – und damit um ein Verbrechen, das tiefe Spuren bei den betroffenen Kindern hinterlassen hat. Ein Rückblick.
Der Block-Entführungsfall: Chronologie der Ereignisse
Was in einem Strafverfahren gipfelt, ist das Ergebnis eines über Jahre wachsenden Konflikts zwischen zwei Elternteilen. Eine juristische und familiäre Eskalation, die sich in einer Reihe von dramatischen Etappen vollzog:
- 2014: Christina Block und Stephan Hensel trennen sich.
- 2018: Die Ehe wird offiziell geschieden. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder – drei Töchter und einen Sohn.
- Juli 2021: Die älteste Tochter zieht laut Medienberichten auf eigenen Wunsch zum Vater nach Dänemark.
- August 2021: Nach einem Ferienaufenthalt bleiben auch die beiden jüngeren Kinder beim Vater und kehren nicht nach Hamburg zurück.
- Oktober 2021: Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg entscheidet, dass die Kinder zur Mutter zurückkehren sollen.
- Ende 2021: Ein dänisches Familiengericht lehnt die Rückführung mit Verweis auf das Kindeswohl ab – die Kinder äußern bei Anhörungen, beim Vater bleiben zu wollen.
- 2022–2023: Christina Block versucht vergeblich, die Rückführung über dänische Gerichte zu erreichen. Der Kontakt zu den drei Kindern bricht laut der Mutter ab.
- Frühjahr 2023: Nach Erkenntnissen der Ermittler beginnt die Planung der späteren Entführung – mutmaßlich mithilfe einer israelischen Sicherheitsfirma.
- Silvesternacht 2023/24: Maskierte Männer überfallen den Vater in Gråsten (Dänemark) und verschleppen die Kinder über die Grenze nach Deutschland.
- 3. Januar 2024: Die Kinder werden bei ihrer Mutter in Hamburg aufgegriffen. Ein Gericht ordnet an, dass sie zurück zum Vater nach Dänemark gebracht werden müssen.
- 5. Januar 2024: Das Hanseatische Oberlandesgericht spricht dem Vater das Aufenthalts- und Erziehungsrecht zu - ein Gericht in Dänemark überträgt ihm zudem das alleinige Sorgerecht.
- Mai 2024: Christina Block scheitert mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die jüngsten Gerichtsentscheidungen.
- 11. Juli 2025: Vor dem Landgericht Hamburg beginnt der Strafprozess gegen Christina Block, Gerhard Delling und fünf weitere Angeklagte wegen schwerer Kindesentziehung sowie weiterer Vorwürfe.
Die Silvesternacht: Eine Entführung über die Grenze
Was am 1. Januar 2024 kurz nach Mitternacht im dänischen Gråsten geschah, zählt zu den dramatischsten Momenten des Falls: Stephan Hensel wollte mit seinen beiden jüngsten Kindern – dem damals 10-jährigen Jungen und seiner 13-jährigen Schwester – das Feuerwerk am Hafen anschauen, als maskierte Männer auftauchten, ihn brutal niederschlugen und die Kinder in einen SUV zerrten.
Die Kinder wurden gefesselt, geknebelt und in den Fußraum des Fahrzeugs gedrückt. Ein Notrufknopf, den der Junge um den Hals trug und drückte, zeichnete Gesprächsfetzen und Fahrtgeräusche auf. Später berichteten die Kinder von der Angst um ihren Vater sowie selbst zu ersticken.
Die Schwester und ihr jüngerer Bruder wurden über die Grenze gebracht, in ein Wohnmobil verladen und auf einen Bauernhof in Baden-Württemberg verschleppt – unter dem Vorwand, man habe sie vor ihrem Vater „gerettet“. Zwei Tage später tauchten sie bei ihrer Mutter auf.
Christina Block und die Entführung ihrer Kinder: „Werden sie mich hassen?“
Sie soll die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben haben: Im Prozess gegen Steakhouse-Erbin Christina Block und ihren Lebensgefährten zeigt die Anklage, wie brutal die Täter vorgingen - und wie die Kinder bis heute leiden.
Die Anklage: Gewalt, Täuschung – und prominente Namen
Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft Christina Block vor, die Entführung ihrer eigenen Kinder in Auftrag gegeben zu haben - und dabei Gewalt und Täuschung in Kauf genommen zu haben. Sie soll sich über Monate hinweg mit einem israelischen Sicherheitsdienst beraten und die Planung im Luxushotel „Grand Elysée“ in Hamburg mitorganisiert haben. Die Hotelkosten von über 220.000 Euro übernahm mutmaßlich die Block-Familie.
Blocks Verteidigung behauptet: Das Sicherheitsunternehmen habe gezielt ihre Sorge um die Kinder ausgenutzt, immer neue Maßnahmen angeboten – und sich schließlich im Hotel „regelrecht eingenistet“, um hohe Rechnungen zu rechtfertigen. Als die Familie den Geldfluss stoppen wollte, sei es laut Verteidigung zur Entführung gekommen.
Mitangeklagt ist auch Ex-Sportjournalist Gerhard Delling (66), langjähriger Sportschau-Moderator. Ihm wird Beihilfe zur schweren Kindesentziehung, gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener vorgeworfen. Das Gericht hält sogar eine Mittäterschaft für möglich, was eine härtere strafrechtliche Bewertung als ursprünglich von der Staatsanwaltschaft vorgesehen bedeute.
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Zur vollständigen AnsichtDelling im Fokus: Reisen, frühere Pläne
Für die Ermittler ist Delling mittlerweile mehr als ein Mitwisser. So soll er schon im Oktober 2023 mit der Koordinatorin der Entführung Kontakt gehabt haben. Am Neujahrstag organisierte er Bahnfahrkarten für seine Lebensgefährtin zu den Kindern.
Zudem soll es bereits 2021 Pläne gegeben haben, die Kinder zu entführen. Bei einem Treffen habe Delling laut einem Zeugen angeboten, sie selbst nach Hamburg zu bringen.
Delling bestreitet alle Vorwürfe - er habe erst am Neujahrstag 2024 von der Entführung erfahren, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Die Anschuldigungen seien „sachlich und rechtlich unzutreffend“.
Verteidigungsstrategie: War es die Großmutter?
Christina Block selbst weist die Verantwortung von sich und erklärte zunächst, ihre Mutter habe die Entführung beauftragt. Diese ist allerdings schon im Juli 2023 verstorben.
Später präsentierte ihr neuer Anwalt Ingo Bott eine andere Version: Eine israelische Sicherheitsfirma, die zuvor für die Familie tätig war, habe eigenmächtig gehandelt, um von Blocks emotionaler Notlage zu profitieren. Belege für diese Version gibt es bislang nicht.
Die Kinder als Nebenkläger und Zeugen
Die Kinder, heute 14 und 11 Jahre alt, treten als Nebenkläger auf – gemeinsam mit ihrem Vater. Besonders brisant: Die Tochter will sogar öffentlich vor Gericht aussagen. Ihr Anwalt spricht von einem wichtigen Schritt zur Verarbeitung der Ereignisse. Sie leidet wohl unter Verfolgungsängsten und Schlaflosigkeit und befindet sich in Therapie. Auch ihr Bruder zeige Trauma-Anzeichen.
Die Tochter und Nebenklägerin hat außerdem Strafanzeige gegen eine Jugendamtsmitarbeiterin in Hamburg gestellt, die ihr nach eigener Aussage Hilfe verweigert habe.
Ausblick auf den Gerichtsprozess
Die juristische Ausgangslage ist komplex: Während deutsche Gerichte mehrfach Christina Block das Aufenthaltsrecht zusprachen, entschieden dänische Gerichte anders – auf Grundlage des Kindeswohls und des Haager Kinderschutzabkommens. Letztlich behielt der Vater das Sorgerecht. Eine Verfassungsbeschwerde Blocks dagegen scheiterte im Mai 2024.
Der Prozess vor der Jugendkammer am Landgericht Hamburg beginnt am 11. Juli 2025. 37 Verhandlungstage sind bis zum Jahresende angesetzt.