Jugend fühlt sich übergangen

Schulstreik gegen Wehrpflicht: ein nachvollziehbarer Aufschrei

Gefühl der Ausgrenzung: Ein Schüler sprüht ein Graffito mit dem Slogan „Wehrpflicht, nein danke“ an eine Wand.

Am Donnerstag wollen Schülerinnen und Schüler in mehr als 100 Städten bundesweit gegen den neuen Wehrdienst demonstrieren. Dass sie dagegen aufbegehren, künftig möglicherweise zum Militär- oder Zivildienst verpflichtet zu werden, ist nachvollziehbar. Bedenklich wäre es eher, wenn die Jugend dies nicht täte.

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Um zu diesem Schluss zu kommen, muss man die Positionen und Forderungen der Schulstreik-Organisatoren nicht teilen. Sie lehnen nicht nur Musterung und Pflichtdienste ab, sondern auch jegliche Aufrüstung. „Wir wollen Frieden“, verkünden sie.

Wer will das nicht? Der Schulstreik bleibt – wie die traditionelle Friedensbewegung insgesamt – einem alten Schwarz-Weiß-Denken treu. Eine starke Bundeswehr und ein militärisch starkes Europa stehen in diesem Denken dem Frieden auf unserem Kontinent im Weg. Angesichts der militärischen Bedrohung durch Russland ist das ein realitätsfernes Bild.

Das alte Versprechen gilt nicht mehr

Trotzdem hat der Schulstreik seine Berechtigung – als Aufschrei junger Menschen, die sich von der Politik übersehen, überhört und übergangen fühlen. Es war nicht die Jugend, die dieses Land in die missliche Lage manövriert hat, in der es sich aktuell befindet.

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Es ist aber die Jugend, die Wirtschaftskrisen und geopolitische Unsicherheiten noch viele Jahre lang ausbaden darf. Und das, während das Versprechen, dass es nachfolgenden Generationen einmal besser gehen wird als ihren Eltern, schon lange nicht mehr gilt.

Wer also eine Wehrpflicht einführen will, der muss auch dafür Sorge tragen, dass die Wehrpflichtigen das Gefühl haben, in einem Land zu leben, dessen Gesellschaftsmodell sich gegen Angriffe zu verteidigen lohnt. In einem Land, in dem sie selbst eine attraktive Zukunft haben. Allein das abstrakte – wenn auch richtige – Gerede von der „Verteidigung der Demokratie“ reicht dazu nicht aus.

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