Sachsens Justizministerin bedauert „vorschnelle Einordnung“ im Fall Gil Ofarim
Leipzig. Als Gil Ofarim im Oktober 2021 einen angeblichen antisemitischen Vorfall im „The Westin“ öffentlich machte, war die Empörung groß. Jetzt, zwei Jahre später, steht er selbst vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Leipzig geht davon aus, dass es nicht so war, wie von Ofarim geschildert.
Fragt man jene, die sich damals auf die Seite des Sängers schlugen, spürt man Zurückhaltung und Reue: „Persönlich zeigt mir der Sachverhalt sehr deutlich auf, dass meine vorschnelle Einordnung in einer so komplexen Angelegenheit fehl am Platz war, auch wenn ich sie zu so einem essenziellen gesellschaftlichen Thema wie dem Kampf gegen den Antisemitismus getroffen habe“, sagt Sachsens Justizministerin Katja Meier (Grüne) auf LVZ-Anfrage.
Ofarim behauptete, er sei im Hotel aufgefordert worden, seine Kette mit dem Davidstern wegzupacken.
Auf Instagram hatte Gil Ofarim berichtet, er sei im Hotel aufgefordert worden, seine Kette mit dem Davidstern wegzupacken. Daraufhin schrieb Meier bei Twitter: Der Vorfall müsse Konsequenzen haben, eine Entschuldigung reiche nicht aus.
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Zur vollständigen AnsichtDamit beteiligte sich Meier an einer Debatte, bei der es eben nicht nur um Solidarität ging, sondern auch um eine Vorverurteilung des Westin und dessen Angestellten. Nach akribischen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft im März 2022 schließlich Anklage gegen Ofarim erhoben, wegen falscher Verdächtigung in zwei Fällen, einmal in Tateinheit mit Verleumdung.
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Wirtschaftsminister Dulig will sich zum Fall Gil Ofarim nicht mehr äußern
Meier ruderte daraufhin zurück. Über ihre ursprünglichen Äußerungen sagt sie jetzt kurz vor dem Prozess: „Ich würde den Tweet so heute nicht wiederholen und bedaure die besondere Belastung, der die Verfahrensbeteiligten durch die aufgeheizte politische Debatte ausgesetzt waren.“ Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte sich mit Ofarim solidarisiert.
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Zur vollständigen AnsichtSpäter sagte Dulig:Er habe sich nicht vorstellen können, dass sich jemand diese Anschuldigungen ausdenkt. Ein aktuelles Statement möchte er nicht abgeben.
LVZ