„Politisch unverantwortlich“: Union will K.-o.-Tropfen verbieten und härtere Strafen bei Missbrauch
Berlin. Die Union forderte die Bundesregierung auf, durch ein Verkaufsverbot und eine Strafverschärfung für einen wirksamen Schutz vor sogenannten K.-o.-Tropfen zu sorgen. Es sei „dringend erforderlich“, den Verkauf von „Knock-out-Tropfen“ mit der in der Regel verwendeten Substanz GBL unter Strafe zu stellen, heißt es in einem Bundestagsantrag der Unionsfraktion, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Auch der bloße Besitz der Substanz müsse selbst in geringen Mengen strafbar sein, um potenzielle Missbrauchsopfer wirksam zu schützen. Nach Ansicht der Union soll das unter anderem durch die Aufnahme des Stoffes in das Betäubungsmittelgesetz erreicht werden.
„Es ist politisch unverantwortlich, dass K.-o.-Tropfen, mit denen junge Frauen ausgeraubt oder missbraucht werden, frei im Internet bestellbar sind und online teilweise sogar noch ganz offen als ‚K.-o.-Tropfen‘ vermarktet werden“, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger dem RND. „Dieses miese Geschäft müssen wir auf nationaler, aber auch auf europäischer Ebene kaputtmachen“, fordert er.
K.-o.-Tropfen bislang frei erhältlich
K.-o.-Tropfen, die von Straftätern heimlich verabreicht werden, um die Opfer in einen willen- und hilflosen Zustand zu versetzen, sind in Deutschland faktisch frei erhältlich. Zwar ist die missbräuchliche Verwendung der Substanz Gamma-Butyrolacton (GBL), die geschmacks- und geruchslos ist, bereits als gefährliche Körperverletzung strafbar. GBL fällt im Gegensatz zu anderen Stoffen mit ähnlicher Wirkung aber bisher nicht unter das strenge Betäubungsmittelgesetz. Damit sei die Substanz auf dem Markt für Privatpersonen leicht erhältlich, sagte Pilsinger. „Das darf nicht sein“, kritisierte er.
Die Industrie, wo der Stoff breit angewendet wird, will die Union aber ausnehmen. „Ausgenommen sein darf nur noch die legitime und für die industrielle Massenproduktion notwendige chemische Verwendung der Chemikalie GBL unter strengen regulatorischen Maßgaben“, heißt es in dem Bundestagsantrag.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtNach Angaben der Opferhilfsorganisation Weißer Ring gibt es keine verlässliche Statistik darüber, wie viele Menschen jährlich Opfer von K.-o.-Tropfen werden. Das liegt nach Einschätzung der Organisation daran, dass die meisten Betroffenen erst zu spät oder gar nicht bemerken, dass sie Opfer geworden sind. Nach einer bestimmten Zeit ist die Substanz nicht mehr nachweisbar.
Der Weiße Ring rät dringend, Gläser in Kneipen und Clubs nicht unbeobachtet zu lassen und keine Getränke von Fremden anzunehmen.