Nicolas Seiwald vor „RB-Finale“ in seiner Heimat: „Wir wollen in einen Flow kommen“

Klagenfurt. Punkt 12.45 Uhr, zum Trainingsbeginn bei RB Leipzig, hatte Nicolas Seiwald schon das erste Kabinettsstückchen aus seinem rechten Fuß gezaubert, passend zur Fußballwelt bewegenden Champions League. Der 23-jährige Mittelfeldmann setzte auch einen Hackentrick in den Regen, der auf das Trainingszentrum der Roten Bullen niederprasselte. Doch wenn hier und dort irgendwelche Zauberfüße des Weges kreuzen, ist Seiwald bestenfalls nicht nur in der Nähe, er stoppt sie, belässt die Hackentricks beim Warm Up, packt im Spiel die Grätsche oder sonstige Stilmittel als ausgewiesener Sechser aus.
Mehr Sechser geht nicht, als es der österreichische Nationalspieler aus Kuchl für sein Land auf dem Rasen spielt. Der Nationalmannschaftsdauerbrenner auf der Sechs – das war zuletzt auch wieder die Champions-League-Variante bei RB. Neben Amadou Haidara, beim 2:1-Sieg zum heimischen Abschied aus der Königsklasse gegen Sporting Lissabon (und zuletzt als Einwechsler beim 2:2 gegen Bayer Leverkusen).
Seiwald am Mittwoch vor Jubiläum
Um 16.20 Uhr waren die Fußballschuhe von Seiwald und Kollegen längst verstaut, die Mannschaft hob vom Flughafen Leipzig/Halle zum letzten Spiel in diesem Wettbewerb nach Klagenfurt ab. An diesem Mittwoch (21 Uhr/DAZN) wartet in seinem Heimatland der Meister: Sturm Graz. Seiwald steht bereit als Defensivallrounder, er kann wie zuletzt bewiesen in jeglichen Wettbewerben einen Innenverteidiger geben.
Um 18.40 Uhr, zehn Minuten später als geplant, erklärte Seiwald auf der PK im Wörthersee-Stadion, was RB in Klagenfurt vorhat: „Wir wollen über Ergebnisse in den Flow kommen. Das ist schon Antrieb genug, wir spielen Champions League, das ist die größte Bühne.“ In der Königsklasse versammeln sich die Feinfüße, die einen mit mehr, die anderen mit weniger Ausprägung – auch wenn es um scheinbar nichts mehr geht, geht es immer um etwas. In der Champions League sowieso, also auch für RB und Sturm. Seiwald steht vor einem Jubiläum (25. Einsatz) – und das unweit der Heimat.
Der größte Rivale seines Ex-Klubs
Er nahm einst aus dem Örtchen Kuchl einen rasanten Weg in die Königsklasse (via RB Salzburg). Heimatgefühle kamen 200 Kilometer entfernt, am Wörthersee, in der Nähe der slowenischen Grenze dennoch auf. „Die Luft ist super, das Stadion ist cool, es ist immer schön in Österreich zu spielen, vor allem gegen Sturm Graz, dem größten Rivalen von meinem Ex-Klub RB Salzburg, zu gewinnen“, sagte Seiwald. Er wird in der Startelf stehen – wie sein Landsmann Christoph Baumgartner. „Die Lokalmatadoren sind morgen auf dem Platz. Wir sind froh, dass wir die beiden haben“, erklärte RB-Trainer Marco Rose. Seiwald ackerte zuletzt in neun von zehn Spielen über 90 Minuten. Und: „Maarten wird anfangen“ – im Tor gibt es also wie gegen Sporting den Wechsel von Peter Gulacsi zu Maarten Vandevoordt.
Welche Probleme könnte Sturm bereiten? „Sturm Graz spielt sehr intensiv, sehr gut und stark gegen den Ball, ist raumorientiert. Es wird schwer, Räume zu finden. Wir brauchen eine gute Leistung“ schilderte Rose. Doch seine Jungs wie Seiwald gehen im neuen Jahr ihren Weg. „Ich sehe eine Mannschaft, die im neuen Jahr viel investiert, sie will Schritte nach vorne machen. Das wollen wir morgen versuchen, hier auf den Platz zu bringen und den Flow mit in die Bundesliga nehmen“.
Da passt es, dass Seiwald eigenen Angaben nach „gut drauf“ ist, seine Entwicklungsschritte gegangen ist. „Ich versuche wieder meine Leistung zu bringen, meinem Team zu helfen und erfolgreich zu sein, dafür gebe ich alles“, so der Nationalspieler. 26.500 Tickets gingen für das letzte Spiel der Liga-Phase der Saison 2024/25 weg wie warme Semmeln, den Steirern winkt in Kärnten eine Rekordkulisse (29.863 passen rein). 800 RB-Fans sind dabei. Seiwald organisierte zum Heimatspiel vier Tickets für die engere Familie.
LVZ



